Schneetreiben auf der offenen Kunsteisbahn Ludains anlässlich des Meisterschaftsspiel des EHC St. Moritz gegen Kreuzlingen-Konstanz vom Samstag, 4. Dezember 2021.
Foto: Reto Stifel

Schneetreiben auf der offenen Kunsteisbahn Ludains anlässlich des Meisterschaftsspiel des EHC St. Moritz gegen Kreuzlingen-Konstanz vom Samstag, 4. Dezember 2021. Foto: Reto Stifel

Und noch immer fehlt das schützende Eisbahndach

Will die Gemeinde St. Moritz auf dem Signal-Areal ein Eissportzentrum (ESZ) bauen? Diese Frage wird am Freitag, 10. Dezember vorentschieden. Auch die Bergbahnen verfolgen die Diskussion. Als Baurechtsnehmerin sind sie von den Entscheiden direkt betroffen. 

Vor bald drei Jahren haben die Stimmberechtigten der Region Maloja der Initiative zum Aufbau eines regionalen Eissportzentrums (ESZ) zugestimmt. Dieser Auftrag ist in den Statuten der Region festgeschrieben – und muss umgesetzt werden. Allerdings gilt es auf diesem Weg einige Hürden zu nehmen, vor allem die Standortfrage hat die Verantwortlichen bis jetzt beschäftigt. 

Es ist durchaus etwas gegangen in diesen drei Jahren. Von den ursprünglich 13 evaluierten Standorten ist einer übrig geblieben: jener auf dem Areal der Signalbahn in St. Moritz. Im April 2020 hat der St. Moritzer Gemeinderat auf Antrag des Gemeindevorstandes im Grundsatz entschieden, der Region das Land für ein ESZ zur Verfügung zu stellen. Anlässlich der letzten Gemeinderatssitzung von vor zwei Wochen hatte dann beim Gemeindevorstand offenbar ein Umdenken stattgefunden. Er empfahl dem Rat, der Landabtretung nicht zuzustimmen.

 

Grundsatzentscheid am Freitag

Entscheidend wird nun die Sitzung am kommenden Freitag sein. Dort soll über die Frage abschliessend entschieden werden. Aufgrund der vor zwei Wochen geführten Debatte sind verschiedene Optionen denkbar: Entweder der Rat befürwortet die Landabtretung. Dann käme es in den Gemeinden der Region zur Abstimmung. Oder aber es wird zuerst eine Konsultativabstimmung in der Gemeinde St. Moritz durchgeführt – diese Variante wurde in der Ratsdebatte auch eingebracht. Eine dritte Option wäre die, dass der Rat der Landabtretung nicht zustimmt, dann wäre das Signal-Areal für ein ESZ vom Tisch. 

Für St. Moritz würde sich in diesem Fall die Frage stellen, wie es mit der Arealentwicklung Signal – und damit verbunden mit dem Baurecht zugunsten der Engadin St. Moritz Mountains AG (ESM AG), welches unter anderem die Realisierung von mindestens 300 bewirtschafteten Betten vorsieht –, weitergeht. Den Bestimmungen im Baurechtsvertrag zufolge könnte die Gemeinde von diesem zurücktreten. Dies, weil die ESM AG den Neubau der Signalbahn bis jetzt nicht realisieren konnte. 

 

Bergbahnen irritiert

Luis A. Wieser ist Verwaltungsratspräsident der ESM AG. Auf Anfrage zeigt er sich irritiert über die zurzeit laufenden Diskussionen in Sachen Signal-Areal. Zum einen, weil die Gemeinde mit der ESM AG als Baurechtsnehmerin seit dem Grundsatz-Okay, den Bau eines regionalen Eissportzentrums zu prüfen, noch nie über einen möglichen Rücktritt vom Baurechtsvertrag aus dem Jahr 2014 gesprochen habe. Zum anderen, weil er den Sinn hinter einer allfälligen Auflösung dieses Vertrages nicht sieht. «Wir hätten dann einfach wieder den Zustand gemäss Baurechtsvertrag 2007 – und dieser wäre bis 2057 gültig», so Wieser. 

«Ein Hotel direkt bei der Talstation ist für unser Unternehmen ein zentrales Anliegen. Die Möglichkeit, dort warme Betten zu schaffen, müsste unbedingt genutzt werden», ist Wieser überzeugt. Dass die Bergbahnen selber als Investor einsteigen, sieht er nicht. Umso mehr als man sich 2013, nach dem gescheiterten Engagement der Migros als Hauptinvestorin auf dem Signal-Areal darauf geeinigt habe, dass sich die ESM AG auf den Neubau der Signalbahn konzentrieren solle und die Gemeinde auf die Entwicklung des Signal-Areals. 

Allerdings ist der Neubau der Signalbahn durch Einsprachen blockiert. Vor über einem Jahr haben Anwohner den Fall ans Bundesgericht weiterge‧zogen, ein Entscheid steht noch aus. Da sich sämtliche Vorinstanzen bisher auf die Seite der Bergbahnen gestellt haben, dürfte ein Ja zum Neubau nur noch eine Frage der Zeit sein. «Wir befinden uns jetzt auf der Zielgeraden. Würde aber der Baurechtsvertrag aufgelöst, wäre sowohl das Eissportzentrum als auch der Neubau der Signal‧bahn wieder infrage gestellt», sagt Wieser. Weil die bisherige Pendelbahn durch eine Umlaufbahn ersetzt werden soll, muss Platz geschaffen werden für die Parkierung der Gondeln. Mit einem Neubau auf dem Dach des heutigen Pumpwerks soll dieses Problem gelöst werden. Das Nutzungsrecht an diesem Gebäude zugunsten der ESM AG ist aber erst mit dem Baurechtsvertrag 2014 vereinbart worden. 

Nur schon dieses Beispiel zeigt, wie komplex die Arealentwicklung Signal ist. Die EP/PL widmet diesem Thema in der Ausgabe vom Dienstag, 7. Dezember einen Schwerpunkt. Wir stellen die Vorlage im Detail vor, haben mit den Gemeinderatsfraktionen gesprochen, nach einem Plan B gefragt und die jahrzehntelange Geschichte rund um eine Eishalle in Kurzform aufgerollt.

Autor und Foto: Reto Stifel


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