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Marco Ritzmann, Präsident des Bündner Eishockey-Verbandes, distanziert sich vom Entscheid der National League AG (Foto: z. Vfg).

Marco Ritzmann, Präsident des Bündner Eishockey-Verbandes, distanziert sich vom Entscheid der National League AG (Foto: z. Vfg).

«Für mich ist dieser Entscheid unverständlich»

Die National League AG hat entschieden, das Ausländerkontigent auf sieben Spieler zu erhöhen. Marco Ritzmann, Präsident des Bündner Eishockey-Verbandes, distanziert sich von diesem Entscheid und nimmt dezidiert Stellung dazu.

Engadiner Post: Die National League AG erhöht das Ausländerkontingent ab der Saison 2022/23 auf sieben Spieler. Marco Ritzmann, wie kommt es zu diesem Entscheid?
Marco Ritzmann: Die National League AG wurde im vergangenen Sommer still und heimlich gegründet und hielt es bis heute nicht für nötig, andere Parteien wirklich in ihre Pläne und Absichten mit einzubeziehen. Weder der Dachverband noch die Swiss League waren involviert. Diese «Verselbstständigung» erfolgte wohlgemerkt in einer der grössten Krisen, wo Solidarität und Zusammenhalt umso wichtiger gewesen wären. Bereits dieser Schritt wurde nicht transparent kommuniziert und hat ein mittleres «Erdbeben» ausgelöst. Auch heute noch hält es die neu gegründete AG nicht für nötig, gegen aussen transparent zu kommunizieren und direkt Betroffene in die Diskussion mit einzubeziehen. Aus diesem Grund ist auch nicht im Detail klar, wie es zu diesem Entscheid gekommen ist und was die konkreten Beweggründe waren.

Der Dachverband des Schweizer Eishockeys und der Bündner Eishockey-Verband distanzieren sich von diesem Entscheid. Wieso?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind die Clubs – auch diejenigen der National League (NL) gemäss den Statuten der Swiss Ice Hockey Federation verpflichtet, im Umgang miteinander – auch bei Verfolgung eigener Interessen und Rechte – gegenseitig Rücksicht zu nehmen und bei ihrem Handeln auf das Wohl des Dachverbandes und der Clubs zu achten. Nicht einmal der Dachverband wurde im Vorfeld in die Diskussionen der Liga rund um die künftige Ausrichtung involviert. Allein schon diese Tatsache zeugt von einer beträchtlichen Arroganz und Selbstherrlichkeit der Liga bzw. einzelner Exponenten daraus.

Reden wir über den Entscheid und nicht über Personen ...
... auch in der Sache sind sich schätzungsweise über 95 Prozent einig, dass eine Erhöhung des Ausländerkontingents nicht im Sinne des Schweizer Eishockeys und der angestrebten «Swissness» sind. Die Reaktionen von Swiss Ice Hockey, den Nationalmannschaften, der Spielergewerkschaft, der Fans und vielen anderen Gruppierungen sprechen eine deutliche Sprache. Für mich persönlich ist es unverständlich, wie sich eine Handvoll Herren einfach über eine so breite Meinung hinwegsetzen kann und dann noch das Gefühl hat, «das Schweizer Eishockey» zu sein oder dieses zu vertreten. In der Schweiz gibt es über 300 Eishockey-Vereine, und die National League AG hat gerade einmal ein Dutzend davon. Wenn wir also über «das Schweizer Eishockey» reden möchten, dann ist die National League nur einer von vielen Playern.

Ist dieser Entscheid bereits definitiv oder braucht es noch die Zustimmung der Verbände und weiterer Organisationen?
Aktuell ist noch alles beim Alten, und zuerst müssen die Statuten entsprechend angepasst werden. Dazu benötigt es an der Generalversammlung eine Dreiviertelmehrheit. Das heisst, dass die Regio League (50 %) und auch die Vertreter der Swiss-League der Sache zustimmen müssten. Beim aktuellen Verhalten der neuen National League AG bin ich mir nicht sicher, ob diese Mehrheit auch tatsächlich zustande kommt. Die Regio League (RL) und die Swiss League (SL) haben es in der Hand, die «Abtrünnigen» in die Schranken zu weisen. Die Verantwortlichen und entsprechenden Gremien sind nun in der Pflicht.

Was hat dieser Entscheid für Konsequenzen für das gesamte Schweizer Eishockey?
Sollte die neue Ausländerregelung zustande kommen, dürften bedeutend weniger Schweizer Eishockeyspieler einen Job in der National League finden. Dies schmälert nicht nur die Perspektiven für junge Schweizer Spieler, sondern schwächt auch unsere Nationalmannschaften – unser Aushängeschild. Ob die von den NL-Clubs erhofften finanziellen Auswirkungen tatsächlich eintreffen werden, ist dabei noch völlig offen. Das Perverse an der ganzen Sache ist ja, dass sich genau dieses Dutzend Clubs selbst in die heutige missliche Lage gebracht hat. Daran ist nicht nur die Pandemie schuld.

Wie wären kleinere Eishockey-Regionen wie das Engadin davon betroffen?
Dieser Entscheid würde direkt nur die aktuell höchste Liga in der Schweiz und damit im Kanton Graubünden nur den HC Davos betreffen. Wie schon erwähnt, würden jedoch die Perspektiven für alle Schweizer Spieler geschmälert. Die tatsächlichen Auswirkungen dürften wir im Verlauf der Zeit kennen. Das Verhalten der National League AG und ihrer Clubs hat und wird das Image sowie das Vertrauen in den Schweizer Eishockeysport noch lange negativ beeinflussen. Darunter werden auch kleine Clubs und Randregionen leiden.

Wie ist das Verhältnis zwischen den Verbänden und der National League AG?
Die National League AG hält es bis heute nicht für nötig, andere Parteien in die Entwicklung und in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Weiter sind die Kantonalverbände organisatorisch bei der Regio League (RL), also beim Amateursport, angegliedert. Insofern gibt es heute keine direkten Berührungspunkte zwischen der National League AG und den Kantonalverbänden. Trotz dieser fragwürdigen und unsinnigen Entwicklung steht der Bündner Eishockey-Verband aktuell in einem sehr engen Austausch mit dem HC Davos, mit dem Ziel, den Eishockeysport im Kanton Graubünden von der Basis aus und bis zur Spitze hinauf neu und nachhaltig auszurichten. Anders als die National League AG sind wir uns dabei einig, dass sämtliche Bündner Clubs in diesen Prozess eingebunden werden müssen. Bereits in Kürze werden wir unseren Mitgliedern einen Projektantrag unterbreiten können. Sobald die Clubs über das weitere Vorgehen befunden haben, werden wir diesbezüglich auch die Öffentlichkeit informieren.

Wie können die Verbände nun reagieren?
Dies muss jeder Kantonalverband für sich selbst entscheiden, wobei die Möglichkeiten leider (noch) beschränkt sind. Als Bündner Kantonalverband war es für uns klar, dass wir ein solches Vorgehen und solche Entscheidungen nicht unterstützen können und deshalb ein klares Statement abgeben möchten. Viel wichtiger ist, dass nun die Verantwortlichen im Dachverband und die Delegierten ihre Hausaufgaben machen und dabei auf eine breite Unterstützung aus allen Lagern zählen dürfen.

Hat auch die Covid-Pandemie Konsequenzen auf die Entwicklung des Eishockey-Nachwuchses?
Die Covid-Pandemie hat leider nicht nur einen negativen Einfluss auf den Eishockey-Nachwuchs. Die Amateurvereine leisten eine enorme Arbeit und versuchen, ihren Nachwuchsspielerinnen und -spielern den Eishockeysport auch weiterhin zu ermöglichen. Dabei sind sie auch darauf angewiesen, dass die Eishallen und Eisbahnen geöffnet bleiben und zur Verfügung stehen. Leider wurden zwischenzeitlich bereits zwei Standorte im Kanton geschlossen und die Kinder und Jugendlichen ihres Hobbys «beraubt». Aber auch finanziell trifft es die Vereine teilweise hart. Wir hoffen deshalb, dass vom Bund und/oder dem Kanton die dringend benötigte Hilfe kommt.

Gerade in den jungen Jahren ist jedes Training und jedes Spiel für die Entwicklung wichtig. Was bedeutet es, wenn nun coronabedingt eine Saison ausfällt?
Die sportlichen Auswirkungen sind leider noch nicht abschätzbar. Es bleibt zu hoffen, dass die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Erwachsenen ihrem Sport und dem Verein die Treue halten. Nur so können die Vereine weiterexistieren.

Wie müssen sich die Vereine bzw. der Bündner Eishockey-Verband für den Nachwuchs in dieser schwierigen Zeit engagieren?
Die Clubs betreiben schon über Monate einen riesigen Aufwand, um den Sport auch unter erschwerten Bedingungen zu ermöglichen. Dafür gebührt ihnen ein riesiges Dankeschön. Als Kantonalverband können wir auf politischer Ebene auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen und versuchen, die verschiedenen Player zu mobilisieren. Auf der operativen Ebene sind die Möglichkeiten leider noch relativ bescheiden. Dennoch versuchen wir die Clubs mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Gemeinsam muss es uns gelingen, alle beim Sport und im Verein zu halten.

Sind besondere Massnahmen geplant?
Ja. Auf politischer Ebene laufen verschiedene Gespräche, und gemeinsam mit unserem Hauptsponsor haben wir verschiedene Kommunikationsmassnahmen vorgesehen, welche die Clubs in ihrer Rekrutierungsarbeit unterstützen sollen. Aufgrund der Pandemie mussten wir jedoch diese Vorbereitungsarbeiten einschränken. Wir bleiben aber am Ball und geben unser Bestes.

Was wünschen Sie sich persönlich für den Eishockey-Nachwuchs?
Dass wir gemeinsam und gestärkt aus dieser schwierigen Zeit herauskommen – nicht nur im Eishockeysport.
Marco Ritzmann aus Scuol ist Präsident des Bündner Eishockey-Verbandes. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Interview: Nicolo Bass


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