Foto: Valentina Baumann

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«Medien-Beförderung», Ja zum Medienpaket

Die Debatte rund um das von Parlament und Bundesrat erarbeitete Medienpaket wurde in den letzten Wochen intensiv geführt. Als Verlegerin der «Engadiner Post/Posta Ladina» legt Martina Gammeter heute die  Argumente für ein Ja zum Medienpaket dar. 

Sie mögen sich über den Titel meines Artikels wundern und, ja, ich habe mir hier ein kleines Wortspiel erlaubt. Dieses hat aber in zweierlei Hinsicht durchaus seine Berechtigung. 

Erstens ist es mir ein grosses Anliegen, Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, erneut vor Augen zu führen, dass es sich bei den diskutierten Fördermassnahmen primär um solche handelt, die auf eine kostengünstigere Zustellung oder eben «Beförderung» abzielen. Davon sind auch sehr direkt Sie als Leserschaft und Abonnenten betroffen. Die Distributionskosten, sprich Postgebühren für gedruckte Zeitungen, steigen nämlich stetig an. In den nächsten vier Jahren betragen diese jährlichen Mehrkosten 1,8 Rappen pro Exemplar, bei der EP/PL wären dies in vier Jahren etwas mehr als zehn Franken pro Abonnement. Dies bedeutet einen markanten Kostenanstieg, ohne dass wir als Medienhaus diesen beeinflussen könnten. Insbesondere im ländlichen Raum oder in Berggebieten können die Verlagshäuser nicht auf allenfalls kostengünstigere Verteildienste ausweichen, sondern sind zu 100 Prozent auf die Post als Dienstleister angewiesen. Wenn der Staat nun keine weitere Kostensubventionierung leisten würde, können die Abo-Preise mittel- bis langfristig nicht gehalten werden. Höhere Preise bewirken, dass sich immer weniger Menschen die Ausgaben für ein Abonnement leisten können und sie damit auf qualitativ hochwertige Medienberichterstattung verzichten müssen. Eine «Lose-Lose-Situation», die niemand möchte. 

Digitale Entwicklungsmöglichkeiten 

Auch zu einem weiteren Aspekt des vorliegenden Medienpaketes passt «Beförderung» durchaus. Die im Paket enthaltene Digitalförderung, eine im Gegensatz zur Posttarifsenkung direkte Fördermassnahme, bei welcher das Geld tatsächlich an die Verlage fliesst, ist als eigentliche Innovationsförderung vorgesehen. Diese Gelder würden subsidiär verteilt, das heisst, sie gehen nur an Zeitungstitel und Online-Publikationen, die bereits über einen zahlungsbereiten Abonnentenkreis verfügen. Damit orientiert sich die Subventionierung richtigerweise an einer am Markt bereits existierenden Nachfrage und wirkt eben nicht verzerrend, wie dies von der Gegnerschaft dargestellt wird. Die Degression im vorgesehenen Verteilschlüssel sorgt gleichzeitig dafür, dass Verlage mit kleineren Umsätzen überproportional berücksichtigt werden. Auch die EP/PL erwirtschaftet bereits heute einen Teil des Abonnementumsatzes im digitalen Bereich. Die zusätzlichen Gelder würden darauf verwendet, digital ein noch attraktiveres und agileres Angebot für unsere Leserinnen und Leser zu schaffen und somit unsere publizistischen Produkte in eine höhere Service-Stufe zu «befördern». 

Gegner-Argumente im Abseits

Die Gegnerschaft stört sich daran, dass auch die grossen Medienhäuser von den Fördergeldern profitieren. Dieser Argwohn ist unbegründet. Auch die grossen Medienhäuser haben in Bezug auf ihre publizistischen Geschäftsbereiche mit sinkenden Einnahmen und steigenden Kosten zu kämpfen. Und gleichzeitig tragen sie mit ihren nationalen Titeln, aber auch mit den zahlreichen regionalen und lokalen Zeitungen bedeutend dazu bei, dass in allen noch so verzweigten Regionen der Schweiz eine Grundversorgung mit unabhängigem Qualitätsjournalismus sichergestellt ist. Ich bezweifle, dass die Gegnerschaft die Tragweite ihrer Gegenoffensive erkennt. Ohne eine solche mediale Grundversorgung zu einem vertretbaren Preis ist die politische Mitwirkung in unserer direkten Demokratie tatsächlich bedroht. Die Aussage, der Markt wird es schon richten, wenn das Angebot der Medienhäuser nur gut genug ist, entspricht nicht der verlegerischen Realität. Es ist nämlich ein Vielfaches einfacher, eine zahlungsbereite Abonnentenschaft für Mainstream-Unterhaltungsmedien oder kleinere meinungsmachende Nischenmedien wie Satiremagazine zu finden, als die mediale Grundversorgung in einem mehrsprachigen Berggebiet sicherzustellen. 

Die Gegnerschaft des Medienpaketes schürt ausserdem die Angst, dass die privaten Schweizer Medien bei Annahme des Paketes nicht mehr imstande wären, objektiv und unab‧hängig zu berichten. Es ist wirklich abwegig zu denken, dass Verleger ihre Redaktio‧nen anweisen würden, im Sinne der Obrigkeit zu berichten, weil sie sonst befürchten müssten, dass das Parlament bei nächster Gelegenheit die Posttarifvergünstigung streicht. Für mich als Verlegerin einer Lokalzeitung scheint dieses Gedankengut noch viel absurder, agieren wir doch meistens weit weg von der Berner Bundespolitik. Fakt ist, die Schweiz hat kein Problem mit der medialen Meinungsfreiheit gegenüber dem Staat. Das belegen internationale Vergleichsstudien. Und dies, obwohl wir seit 170 Jahren eine Medienförderung haben. Zudem bin ich überzeugt: die Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit liegt im ureigenen Interesse der Verlegerinnen und Verleger, weil sie die Basis ist für die Glaubwürdigkeit unserer Titel. Und diese aufs Spiel zu setzen, wäre widersinnig.

Deshalb ein Ja

Abschliessend möchte ich Ihnen das vorliegende Medienpaket sehr empfehlen. Es unterstützt die Verlage da, wo der «Kostenschuh» am meisten drückt, bei der Distribution. Gleichzeitig wird durch die Massnahmen im Aus- und Weiterbildungsbereich sowie bei der Digitalförderung eine Entwicklung angestossen, die unser vielfältiges und mehrsprachiges journalistisches Angebot in allen Regionen der Schweiz zu transformieren hilft und nachhaltig sicherstellt. 

 

Martina Gammeter, Verlegerin «Engadiner Post/Posta Ladina»


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