Ich bin überzeugt: Ohne Musik wäre ich ein anderer Mensch. Wahrscheinlich ein deutlich unerträglicherer. Musik ist mein bester Freund, meine längste Beziehung und mein zuverlässigstes Ventil. Als ehemalige Radiomoderatorin habe ich mir über die Jahre ein breites Musikwissen angeeignet – berufskrankheitsbedingt, sozusagen. Damals allerdings gab es noch keine KI-generierte Musik. Und damit auch keine Notwendigkeit, sich mit der Frage herumzuschlagen, ob das, was da aus den Lautsprechern kommt, überhaupt Musik ist. Und falls ja: ob man sie mögen darf. Diese Frage stellt sich mir nun seit ein paar Monaten mit zunehmender Hartnäckigkeit. Schuld daran ist – wie so oft – Spotify.
Der Algorithmus war der Meinung, mir einen Song vorsetzen zu müssen, der perfekt zu meinem Musikgeschmack passe. Ich klickte. Und ertappte mich keine 30 Sekunden später dabei, wie ich mitwippte. Kopf, Fuss, Schulter – alles dabei. Ärgerlich gut. Noch ärgerlicher wurde es, als mir auffiel, dass mir dieser Song seltsam bekannt vorkam. Also recherchierte ich. Wer ist diese Band? Spoiler: offenbar niemand. Keine Gesichter, keine Geschichte, keine Interviews, keine Social-Media-Profile. Stattdessen ein Name wie ein Warnhinweis: «Fake Music». Der Song heisst «Killing in the Name».
Das Original stammt von Rage Against the Machine, erschienen 1992. Ein wütender, politischer Song über Polizeigewalt und staatliche Machtstrukturen, inspiriert von den Unruhen nach dem Rodney-King-Urteil in Los Angeles. Über 30 Jahre später sind diese Themen in den USA traurigerweise immer noch brandaktuell. Und genau da beginnt das Dilemma. Denn ich mag diesen Song. Nicht trotz, sondern wegen seiner Wirkung. Er groovt, er trifft einen Nerv, er macht etwas mit mir. Gleichzeitig weiss ich nicht einmal, wer oder was dahintersteckt. Eine Band ist es nicht. Eine künstlerische Biografie existiert nicht. Vielleicht ist es ein anonymes Projekt. Vielleicht ein Algorithmus. Vielleicht einfach Content.
Also frage ich Sie, liebe Leserinnen und Leser: Darf man Musik mögen, bei der unklar ist, ob sie überhaupt von Menschen stammt? Darf man sich zu etwas bewegen, das möglicherweise von einer Maschine erzeugt wurde? Oder macht man sich damit mitschuldig an der schleichenden Entwertung dessen, was Musik einmal war? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss: Der Song läuft bei mir immer noch. Und mein Fuss will nicht aufhören zu wippen.
Hier geht's zum Song (auf dem Streamingdienst Spotify)
Der Algorithmus war der Meinung, mir einen Song vorsetzen zu müssen, der perfekt zu meinem Musikgeschmack passe. Ich klickte. Und ertappte mich keine 30 Sekunden später dabei, wie ich mitwippte. Kopf, Fuss, Schulter – alles dabei. Ärgerlich gut. Noch ärgerlicher wurde es, als mir auffiel, dass mir dieser Song seltsam bekannt vorkam. Also recherchierte ich. Wer ist diese Band? Spoiler: offenbar niemand. Keine Gesichter, keine Geschichte, keine Interviews, keine Social-Media-Profile. Stattdessen ein Name wie ein Warnhinweis: «Fake Music». Der Song heisst «Killing in the Name».
Das Original stammt von Rage Against the Machine, erschienen 1992. Ein wütender, politischer Song über Polizeigewalt und staatliche Machtstrukturen, inspiriert von den Unruhen nach dem Rodney-King-Urteil in Los Angeles. Über 30 Jahre später sind diese Themen in den USA traurigerweise immer noch brandaktuell. Und genau da beginnt das Dilemma. Denn ich mag diesen Song. Nicht trotz, sondern wegen seiner Wirkung. Er groovt, er trifft einen Nerv, er macht etwas mit mir. Gleichzeitig weiss ich nicht einmal, wer oder was dahintersteckt. Eine Band ist es nicht. Eine künstlerische Biografie existiert nicht. Vielleicht ist es ein anonymes Projekt. Vielleicht ein Algorithmus. Vielleicht einfach Content.
Also frage ich Sie, liebe Leserinnen und Leser: Darf man Musik mögen, bei der unklar ist, ob sie überhaupt von Menschen stammt? Darf man sich zu etwas bewegen, das möglicherweise von einer Maschine erzeugt wurde? Oder macht man sich damit mitschuldig an der schleichenden Entwertung dessen, was Musik einmal war? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss: Der Song läuft bei mir immer noch. Und mein Fuss will nicht aufhören zu wippen.
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Sina Margadant
s.margadant@engadinerpost.ch
Seit 2025 schreibt Sina Margadant für die «Engadiner Post/Posta Ladina».
Seit 2025 schreibt Sina Margadant für die «Engadiner Post/Posta Ladina».
PS werden von den Redaktorinnen und Redaktoren der Engadiner Post / Posta Ladina geschrieben und erscheinen wöchentlich in der Samstagsausgabe der EP/PL.

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