24.05.2026 Fadrina Hofmann 2 min
Unterwegs begegnet das Eléctrico 28 auch mal der Tramlinie 12. Foto: Fadrina Hofmann

Unterwegs begegnet das Eléctrico 28 auch mal der Tramlinie 12. Foto: Fadrina Hofmann

Overtourism ist in aller Munde, und wer gerade von einem Städtetrip zurückgekommen ist, kann bestimmt ein Lied davon singen. Überfüllte Gassen, lange Schlangen bei Attraktionen, reservationspflichtige Tische im Restaurant. Während Städte wie Barcelona oder Venedig schon jetzt, Ende Mai, unter der Touristenlast ächzen, geht es in Lissabon noch human zu und her. Und doch wird überall empfohlen, nicht das berühmte Tram 28 zu nutzen, da dieses stets komplett überfüllt ist. Schliesslich führt die historische Strassenbahnlinie durch die pittoresken Altstadtviertel. 

Die Fahrt ist auch wegen der gelben Remodelado-Waggons aus den 1930er-Jahren eine Touristenattraktion. Gleichzeitig ist das Tram ein öffentliches Verkehrsmittel für die Einheimischen. Sie tun mir ehrlich leid, denn diese Strecke 28 ist so stark frequentiert, dass sich an der Anfangsstation lange Schlangen bilden. 

In der Regel vermeide ich solche touristischen Hotspots. Doch ab und zu mache ich eine Ausnahme – weil mich das Erlebnis einfach reizt oder ich die Sehenswürdigkeit wirklich sehen möchte. Für solche Fälle habe ich eine wirksame Strategie entwickelt: Ich bin antizyklisch unterwegs. Tönt hochgestochen, ist aber ein einfacher Trick, nämlich früh aufstehen oder sehr spät hingehen. 

Im «Eléctrico 28» sass ich mit meinen noch verschlafenen Teenagern bereits um sieben Uhr morgens. Wir ruckelten in einem nahezu leeren Wagen gemütlich ab der Endstation rund 50 Minuten durch die erwachenden Altstadtquartiere Lissabons, gemeinsam mit den Einheimischen, die zur Arbeit oder zur Schule fuhren. Sitzplatz und beste Sicht inklusive, und das alles für knappe zwei Euro. Was für ein wunderbares Erlebnis! Übrigens, diese Strategie funktioniert auch frühmorgens bei der Ponte dei Salti in Lavertezzo im Tessin, falls es Sie über Pfingsten in den Süden ziehen sollte.

f.hofmann@engadinerpost.ch

Fadrina Hofmann

f.hofmann@engadinerpost.ch
Fadrina Hofmann ist seit 2023 Redaktorin bei der «Engadiner Post/Posta Ladina».

PS werden von den Redaktorinnen und Redaktoren der Engadiner Post / Posta Ladina geschrieben und erscheinen wöchentlich in der Samstagsausgabe der EP/PL.