Vielen ist die Klezmerband «Cheibe Balagan» vom Streifen «Wolkenbruch» ein Begriff, in der Verfilmung von Thomas Meyers Buch «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse». Vor kurzem haben die fünf Musiker und die einzige Musikerin dieser jungen Formation ihr drittes Album auf den Markt geworfen. Doch wer sie live hört, hat mehr von ihnen. Denn es ist jüdische Stimmungsmusik, welche Edouard Mätzener (Violine), Moritz Roelcke (Klarinette), Adrian Hofer (Akkordeon), Hitomi Niikura (Cello), Marius Schneider (Gitarre) und Hyazintha Andrej (Bass) und Florian Kolb (Schlagzeug) zum Besten geben. Also diejenige volkstümliche Musik, welche die jüdischen Wandermusiker früher in den «Shtetels» zum Besten gaben, wenn es was zu feiern gab. Gleich drei Mal trat die Band «Cheibe Balagan» am diesjährigen Festival da Jazz auf der Hauser-Terrasse zum Apero-Konzert auf und spielte das, was an Hochzeiten sehr gefragt war und ist: Ausgelassene jüdische Tanzmusik, Trinklieder und Lustiges, wie beispielsweise eine Anleitung zum Herstellen von «Gefilte Fish - a retsept», ein traditionelles jüdisches Festessen: «Nemt a geln payk und a shtikl white fish, besalzt un lass es shteyn a sho ...» zum Schluss schärfte Geiger und Sänger Edouard Mätzener dem Publikum eindringlich ein: «Misht nit mit e a lefel, weil die fish wird sich zefaln.» Aber auf die Idee, mit einem Löffel in einem praktisch fertigen Fischgericht herumzurühren, wären die mit ihren Aperos beschäftigten Zuhörenden eh nicht gekommen. Sehr gerne liessen diese sich aber zum Mitsingen beim Trinklied «Lechaim» bewegen, wobei sich ihr «Chorus-Part» auf das überzeugte laute «Lechaim/Prost!» und auf das Hochheben der Gläser beschränkte. Gute Stimmung gab’s durch alle drei Sets hindurch. Ob bei rassigen Polkas oder bei einer zwischendurch etwas langsameren Doina, um Luft zu holen. Die Bühnentiger von Cheibe Balagan spielten virtuos und mit einer Spielfreude, die sich auf das Publikum übertrug. Nicht, dass die Zuhörenden deswegen vor lauter Tanzwut auf die Tische gesprungen wären, aber der Schwung dieser Musik fuhr bei den Sitzenbleibenden doch wenigstens bis in die (wippenden) Füsse und Zehenspitzen – und in die Herzen. Denn Klezermusik erzählt vom Leben, von der Lebenslust wie vom Lebensleid. Auf der Terrasse hatte die Lebenslust überhand und «Cheibe Balagan» zeigte auf, dass diese jiddische Musiktradition mit der «Shoa» nicht ausgelöscht wurde, sondern weiterlebt – auch mit neuen Eigenkompositionen und Medleys dieser noch jungen Bandmitglieder.
Text: Marie-Claire Jur/Foto: fotoswiss.com/Giancarlo Cattaneo
Text: Marie-Claire Jur/Foto: fotoswiss.com/Giancarlo Cattaneo




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