Rocker und Rockerinnen leben oft ungesund und haben deshalb kein langes Leben. Einen Gegenpol zu diesem Klischee stellt die 68-jährige Rocksängerin und Songwriterin Gianna Nannini dar. Am Mittwoch trat die italienische Sängerin am Festival da Jazz auf und hatte vor ihrem Auftritt noch Zeit für ein klitzekleines Interview mit Medienschaffenden. «Was tun Sie, um in Ihrem Alter noch kräfteraubende Tourneen bestreiten zu können?» – «Ich halte mich fit, unter anderem bestreite ich Triathlons». «Was tun Sie, damit ihre Stimme nicht nachlässt und weiterhin kräftig und rauh klingt?» - «Dabei helfen mir tägliche Pilates-Übungen und spezifische Dehn- und Atemübungen». Ein derart grosses Gesundheitsbewusstsein hätten wohl die meisten der über 1000 Konzertbesucher der italienischen Rocklady nicht zugetraut. Doch ihr eineinhalbstündiges Konzert im St. Moritzer Kulmpark zeugte von einer beeindruckenden Fitness und grossen Bühnenpräsenz. Nur schon der Energie geladene Auftakt mit den Hits «L’aria sta finendo», «Primadonna» und «Revolution» zeigte auf, dass Gianna noch die alte Rockerin und Rebellin ist, wie sie ihre Fans lieben. Etliche unter ihnen hatten sich gleich zu Konzertbeginn vor der Bühne postiert, natürlich um abzutanzen. Denn einfach auf Plastikstühlen sitzen zu bleiben, wenn Giannas Band mit 100 Dezibel rockt und die Frontfrau das Publikum unmissverständlich mit Gesten auffordert, mitzugehen, bedingt bei den Zuhörenden schon fast einen Zustand lethargischer Begeisterungslosigkeit. Klar, nicht nur Gianna Nannini ist nicht mehr die Jüngste, auch viele unter den Konzertbesuchern und Konzertbesucherinnen sind es nicht mehr. Sie sind aber mit der Rocksängerin gross und älter geworden. Immerhin hat Gianna ja eine bald 50-jährige Karriere als Rockerin hingelegt – eine im Musikbusiness ungewöhnlich lange Zeit. Und wenn auch der üppige Haarschopf aus der Woodstock-Zeit inzwischen einer Glatze gewichen ist, und das Herumhüpfen auf High Heels wegen Osteoporose sich nicht mehr empfiehlt: Die Begeisterung für Nanninis Musik war spürbar tief in den Herzen der Zuhörenden verankert. Nicht nur in den ersten Rängen wurden die Lieder mitgesungen, auch viele Zaungäste kannten Giannas Liedertexte in- und auswendig.
Publikumsnah
«Es gibt gleich noch mehr davon», sagte Gianna nach ihrem energiegeladenen Konzertauftakt. Doch zuvor stimmte sie einige ruhigere Songs an, wie das neue «Differenza» aus ihrem letzten Album oder den Ohrwurm «Fenomenale». Und so ging es Schlag auf Schlag den ganzen Abend durch: mal mit fetzig rockigen Songs, mal mit etwas langsameren Balladen. Immer wieder streckte die Sängerin das Mikrophon in Richtung Publikum oder brachte es, auf den Mikroständer aufgesteckt, diesem mit ausgestreckten Arm noch etwas näher. Auch wer kein Gianna-Nannini-Fan ist und kein einziges ihrer vielen Alben besitzt, wurde sich bewusst, wie viele der Songs im kollektiven Gedächtnis haften. Gianna Nannini hat wirklich die Geschichte des (Frauen-)Rocks geprägt und diejenige des Italo-Rocks geschrieben. Das zeigte sich am Schluss des Sets, das mit der Rockballade «Bello e impossibile» beschlossen wurde, ein Song, mit dem Nannini Mitte der 1980er-Jahre über die Landesgrenzen hinaus berühmt wurde.
Noch drei Zugaben schenkte die Rockdiva, die im Grund genommen eine sehr zugängliche, aber vom Management abgeschirmte Persönlichkeit ist, dem Publikum. Bei der letzten, dem Song «Estate italiana», wurden die Feuerzeuge und Handys im Publikum gezückt und bei Einbruch der Dunkelheit klang das Konzert mit einem Gemeinschaftsgefühl aus.
Emotionale Erinnerungen
Viele der Konzertbesucher waren italienischen Ursprungs und hatten auch einige Kilometer hingelegt, um nach St. Moritz zu gelangen. Claudia und Michele Menghini beispielsweise waren aus Milano angereist: «Wenn immer möglich, besuchen wir eines ihrer Konzerte. Sie hat musikalisch unsere Jugend geprägt und noch immer eine unheimliche Bühnenpräsenz». Auch einheimische Konzertbesucher haben Erinnerungen an die einstige Rockgöre mit der Reibeisenstimme. «Ich bin ihr erstmals im Stübli des Hotels Schweizerhofs begegnet. Da kam eines Abends eine junge Frau rein, setzte sich ans Klavier und fing an zu spielen. ‹Das ist Gianna Nannini›, flüsterte mir meine damalige Freundin und heutige Frau zu», erinnert sich der Pontresiner Hotelier Thomas Walther. «Wer hätte gedacht, dass aus dieser kleinen fragilen Frau dereinst ein internationaler Rockstar werden würde?».
Publikumsnah
«Es gibt gleich noch mehr davon», sagte Gianna nach ihrem energiegeladenen Konzertauftakt. Doch zuvor stimmte sie einige ruhigere Songs an, wie das neue «Differenza» aus ihrem letzten Album oder den Ohrwurm «Fenomenale». Und so ging es Schlag auf Schlag den ganzen Abend durch: mal mit fetzig rockigen Songs, mal mit etwas langsameren Balladen. Immer wieder streckte die Sängerin das Mikrophon in Richtung Publikum oder brachte es, auf den Mikroständer aufgesteckt, diesem mit ausgestreckten Arm noch etwas näher. Auch wer kein Gianna-Nannini-Fan ist und kein einziges ihrer vielen Alben besitzt, wurde sich bewusst, wie viele der Songs im kollektiven Gedächtnis haften. Gianna Nannini hat wirklich die Geschichte des (Frauen-)Rocks geprägt und diejenige des Italo-Rocks geschrieben. Das zeigte sich am Schluss des Sets, das mit der Rockballade «Bello e impossibile» beschlossen wurde, ein Song, mit dem Nannini Mitte der 1980er-Jahre über die Landesgrenzen hinaus berühmt wurde.
Noch drei Zugaben schenkte die Rockdiva, die im Grund genommen eine sehr zugängliche, aber vom Management abgeschirmte Persönlichkeit ist, dem Publikum. Bei der letzten, dem Song «Estate italiana», wurden die Feuerzeuge und Handys im Publikum gezückt und bei Einbruch der Dunkelheit klang das Konzert mit einem Gemeinschaftsgefühl aus.
Emotionale Erinnerungen
Viele der Konzertbesucher waren italienischen Ursprungs und hatten auch einige Kilometer hingelegt, um nach St. Moritz zu gelangen. Claudia und Michele Menghini beispielsweise waren aus Milano angereist: «Wenn immer möglich, besuchen wir eines ihrer Konzerte. Sie hat musikalisch unsere Jugend geprägt und noch immer eine unheimliche Bühnenpräsenz». Auch einheimische Konzertbesucher haben Erinnerungen an die einstige Rockgöre mit der Reibeisenstimme. «Ich bin ihr erstmals im Stübli des Hotels Schweizerhofs begegnet. Da kam eines Abends eine junge Frau rein, setzte sich ans Klavier und fing an zu spielen. ‹Das ist Gianna Nannini›, flüsterte mir meine damalige Freundin und heutige Frau zu», erinnert sich der Pontresiner Hotelier Thomas Walther. «Wer hätte gedacht, dass aus dieser kleinen fragilen Frau dereinst ein internationaler Rockstar werden würde?».
Text: Marie-Claire Jur/Foto: fotoswiss.com/Giancarlo Cattaneo
www.festivaldajazz.ch
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