Was tun, wenn der Eröffnungsact drei Wochen vor dem Start des Festival da Jazz wegen Krankheit abgesagt wird? Eine einheimische Ausnahmekünstlerin kontaktieren und einladen. «Keine vier Stunden später hat Corin Curschellas zugesagt», erzählte Gastgeber Christian Jott Jenny am Donnerstagabend im legendären Dracula Club in St. Moritz. Und so kam das internationale Publikum zwar nicht in den Genuss von der Musik von Delvon Lamarr Organ Trio, dafür aber von romanischer Musik.

Viele «Seelen» in den Mauern
Zunächst gab es feierliche Grussworte von den Gastgebern Christian Jott Jenny und Rolf Sachs. Als Jenny vor 16 Jahren mit der Idee eines Festival da Jazz in St. Moritz bei seinem heutigen WG-Partner Sachs anklopfte, machte dieser spontan mit. «Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens», meinte Sachs unter grossem Applaus. Seither haben Jenny und sein «Amt für Ideen» jedes Jahr ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt. «Wenn man überlegt, wie viele Musikerinnen und Musiker schon in diesem Raum gespielt haben und wie viele Seelen in den Mauern hängen – wie viele Traum-Momente – ist das eine unglaubliche Leistung», schwärmte Sachs. Jenny hat die Organisation des Anlasses bei seinem Amtsantritt als Gemeindepräsident von St. Moritz weitestgehend abgegeben.

«Einer der tollsten Effekte ist, dass dieses Festival in den letzten vier Jahren sehr autark geworden ist», meinte er. Viele kluge, junge Köpfe seien heute am Werk. Und genau diese klugen Köpfe improvisierten ganz im Jazzstil und engagierten Corin Curschellas & The Recyclers Reloaded für den Eröffnungsabend des dreiwöchigen Festival da Jazz. «Das trifft sich insofern gut, weil wir zur gleichen Zeit vom Kanton Graubünden eine Verfügung erhielten, mit der Aufforderung, sich mehr mit dem einheimischen Kulturschaffen auseinandersetzen. Sonst müsse man uns die Subventionen kürzen», erzählte Jenny unter Gelächter.

Romanisch ist universell
Corin Curschellas und Band bewiesen nicht nur Flexibilität bei der Zusage, sondern auch, dass «einheimisches Kulturschaffen» es durchaus mit international bekannten Musikern aufnehmen kann. Auf Romanisch, Englisch und Schweizerdeutsch lieferte die Gruppe einen musikalischen Abend voller Abwechslung, überraschende Einlagen und natürlich dem bekanntesten Lied von Corin Curschellas «La pura». Die Reaktion des Publikums lässt sich wohl am besten mit den einleitenden Worten der Künstlerin umschreiben: «Rätoromanisch ist auch schön, wenn man es nicht versteht».

Das Festival da Jazz findet noch bis am 31. Juli statt. www.festivaldajazz.ch