Eine Big Band von 22 jungen Musikern mit Instrumenten auf der Bühne des Theatersaals des Reine Victoria unterzubringen, ist eine Herausforderung, und offenbar war es nicht die Einzige vonseiten der Organisatoren, wie Yunus Durrer zu Beginn des Konzertes einleitend zu verstehen gab. Dafür wurde das Publikum belohnt. Der Konzertabend startete energisch, virtuos und schnell. «Legen Sie Ihre Sicherheitsgurte an!», empfahl Sean Jones vor dem Stück «Braggin’in Brass» von Duke Ellington.

Alle Bläser, die Kontrabassis­tin, der Pianist und der Schlagzeuger zeigten schon zu Beginn zunächst gemeinsam und dann in ihren Soli beeindruckend ihr Können.

Das National Youth Jazz Orchestra
Das NYO Jazz wurde 2018 von dem Trompeter und Bandleader Sean Jones als eines von drei Nachwuchsorchestern des «Carnegie Hall Weill Music Institute» gegründet. Es setzt sich aus den besten Jazz-Nachwuchstalenten Amerikas zusammen. Die jungen Musiker und Musikerinnen im Alter von 16 bis 19 Jahren absolvierten Anfang Juli einen zweiwöchigen Meisterkurs in New York. Der erste öffentliche gemeinsame Auftritt fand am 25. Juli in der New Yorker Carnegie Hall vor ausverkauftem Haus statt. Als erste Station auf ihrer vierzehntägigen Europatournee folgte drei Tage später das Jazzkonzert in St. Moritz. Auf ihrem Instagram-Account äussern sich die Jugendlichen darüber, was für sie das Besondere an dieser Tournee ist: «Musik ist ein Weg für Frieden, wir können mit dem Publikum durch unsere Instrumente kommunizieren, das Sprechen ohne Worte berührt das Herz und die Seele, und wir lernen voneinander und tauschen uns gegenseitig über die Musik aus, die uns zusam­menbringt.» Die mit zwei Grammys ausgezeichnete Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater und der Jazztrompeter Sean Jones sind auf der Tournee sowohl Mentoren als auch Vorbilder für die jungen Musiker. Dass die beiden Weltklasse-Musikkünstler sich aber selbst in der Tradition von Jazzgrössen verankern, zeigte das Programm: Zwei Stücke wählte Jones zum Andenken und zu Ehren von Roy Hargrove aus und übernahm darin selbst die beeindruckenden Trompetensoli: «After the morning» und «Strasbourg - St. Denis».

 Jones und Bridgewater
Dee Dee Bridgewater, die erst in der zweiten Hälfte des Abends die Bühne betrat, würdigte Ella Fitzgerald und Louis Armstrong beim «Basin Street Blues», wo sie virtuos und stimmgewaltig beide Künstler in Dialog setzte. Wie professionell und talentiert die jungen Musiker sind, wurde an diesem Abend mehr als deutlich: Die Freude am Spiel bei hoher Konzentration, Anspannung und technischer Herausforderung war mitreissend und einzigartig. Als gegen Ende das Lied «I’m feeling good» folgte, hielt es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen. Mit stehendem Applaus belohnte es das Konzert und die Zugabe «Amazing Grace», bei der die Instrumente der jungen Musiker zunächst schwiegen und die melodiöse starke Stimme von Dee Dee Bridgewater den ganzen Raum erfüllte.

Wer den Auftritt des NYO Jazz in St. Moritz verpasst hat, kann das Jugendjazzorchester, Sean Jones und Dee Dee Bridgewater noch einmal in der Schweiz am Ende ihrer Europatournee am 9. August anlässlich des Lucerne Festival erleben.

Autorin: Sabrina von Elten

Foto: www.fotoswiss.com/Giancarlo Cattaneo