Am 14. Juni finden in Graubünden die Wahlen für den Regierungsrat und für den Grossen Rat statt, am Vortag startet in Motta Naluns bei Scuol das Bündner Glarner Schwingfest. Diese Konstellation nutzte der Moderator und Redaktor der EP/PL, Nicolo Bass, am Freitagabend für einen metaphorischen Einstieg in das Podiumsgespräch: Er sprach vom «Dreierkampf», davon, dass er als »Schiedsrichter» versuchen werde, etwas «Sägemehl aufzuwirbeln», damit die Kandidatinnen und Kandidaten in Bewegung bleiben. Im «Ring» standen der Unternehmer und Grossrat Maurizio Michael aus Castasegna (FDP), die Pontresiner Gemeindepräsidentin und Grossrätin Nora Saratz Cazin (GLP) und die Gemeindepräsidentin aus Scuol und Grossrätin Aita Zanetti (Die Mitte). Alle drei kandidieren sowohl für den Regierungsrat als auch für den Grossen Rat.
Welche Köpfe sollen regieren?
Vielleicht liegt es an der Südbündner Mentalität, vielleicht auch daran, dass zwei Vertreterinnen und ein Vertreter aus gemässigten Parteien am Podiumsgespräch teilnahmen; Tatsache ist, dass es während des gesamten Abends zu keinen grossen Diskussionen kam. Die Kandidierenden waren sich in den meisten Punkten einig, was wohl auch damit zu tun hat, dass sie in ähnlichen Lebenswelten zuhause sind, die Probleme der Region gut kennen und keine radikalen Ansichten vertreten.
Langweilig wurde die Veranstaltung dennoch nicht. Denn, wie Maurizio Michael sagte: «Die Wahl für die Regierungssitze ist eine Kopfwahl.» Das Podium war eine Gelegenheit, die Köpfe kennenzulernen, welche die Anliegen von Südbünden in der Regierung vertreten möchten. Man könne erleben, wie die Personen argumentieren, wie sie agieren und sich präsentieren. «Im Regierungsrat müssen fünf Personen zusammenarbeiten, die Stimmbevölkerung muss wählen, welche Personen sie sich in diesem Gremium vorstellen können.»
Warum muss Südbünden dabei sein?
«Der Kanton braucht heute mehr denn je einen pluralistischen und für das gesamte Kantonsgebiet repräsentativen Regierungsrat», ist Maurizio Michael überzeugt. «Menschen sollen in Graubünden wohnen, arbeiten und gut versorgt leben können. Dafür braucht es keine lauten Worte, sondern fragen und zuhören, entscheiden und umsetzen», betonte Aita Zanetti. «Für mich bedeutet Politik, zuhören, vorausdenken und mutig anpacken», ergänzte Nora Saratz Cazin.
«Der Kanton braucht heute mehr denn je einen pluralistischen und für das gesamte Kantonsgebiet repräsentativen Regierungsrat», ist Maurizio Michael überzeugt. «Menschen sollen in Graubünden wohnen, arbeiten und gut versorgt leben können. Dafür braucht es keine lauten Worte, sondern fragen und zuhören, entscheiden und umsetzen», betonte Aita Zanetti. «Für mich bedeutet Politik, zuhören, vorausdenken und mutig anpacken», ergänzte Nora Saratz Cazin.
Alle drei sind der Ansicht, dass es wichtig ist, dass der dreisprachige Kanton mit seinen verschiedenen Tälern, Mentalitäten und Kulturen auch in der Regierung wiedergegeben ist. Chur befinde sich je nach Region weit entfernt, bisweilen fehle es dort an Verständnis für die spezifischen Themen, die gerade Randregionen betreffen. «Will man zu einer dezentralen Besiedelung stehen, darf man die Peripherien nicht vernachlässigen», meinte Aita Zanetti. Es sei wichtig dafür zu kämpfen, sprichwörtlich den Anschluss nicht zu verlieren.
Nora Saratz Cazin ist der Ansicht, dass Südbündner Themen von jemandem in der Regierung vertreten sein müssen, der oder die diese Erfahrungswelt kennt und lebt. Und Maurizio Michael wies darauf hin, dass Südbünden eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für den ganzen Kanton hat: «Was in Südbünden passiert, hat Konsequenzen für den ganzen Kanton.»
Machen vier Kandidierende Sinn?
Gleich vier Kandidierende aus Südbünden könnten sich gegenseitig konkurrenzieren, gab der Moderator zu bedenken. «Wir sind vier ganz verschiedene Persönlichkeiten. Es ist ja ein Gewinn für eine Demokratie, wenn die Bevölkerung eine echte Auswahl hat», sagte Aita Zanetti. Sie empfinde es so, dass die Südbündner Kandidierenden nicht gegeneinander antreten, sondern für ein Amt kandidieren. Für Maurizio Michael zeigt allein die Tatsache, dass alle drei Anwesenden auch für den Grossen Rat kandidieren, dass man in Zukunft Politik machen wolle. Nora Saratz Cazin sieht in der Tatsache, dass die drei Parteien Personen aus den Südbündner Tälern stellen, auch ein Zeichen dafür, dass es mehrere valable Kandidierende aus dieser Region gibt. «Hier sitzen drei Personen, Sitze hat es fünf.»
Wie medizinische Versorgung sichern?
Beim Thema medizinische Grundversorgung sind die drei Kandidierenden mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert: Das kleine Gesundheitszentrum Centro Sanitario Bregaglia funktioniert mit massgeschneiderten Angeboten für das Tal gut. Das Gesundheitszentrum Unterengadin gilt im ganzen Kanton als Vorzeigemodell. Das Oberengadin hingegen hat in der jüngsten Vergangenheit bezüglich Spital vor allem für Negativschlagzeilen gesorgt, wobei die Schliessung abgewendet werden konnte und das Fortbestehen des Spitals gesichert ist.
Die drei Kandidierenden sind davon überzeugt, dass der Kanton Graubünden eine dezentrale Gesundheitsversorgung braucht, dass diese ein Grundpfeiler für die dezentrale Besiedelung des Kantons darstelle. Sie plädieren dafür, Synergien zu nutzen, und Leistungen zur Verfügung zu stellen, die der Bevölkerung vor Ort dienen. Sie unterstützen das jüngst publizierte angepasste kantonale Leitbild zur Gesundheitsversorgung im Kanton Graubünden.
Braucht es die Zweitwohnungssteuer?
Bei der Zweitwohnungssteuer divergieren die Meinungen der Kandidierenden. Nora Saratz Cazin möchte eine kantonale Lösung, bei der die Gemeinden über die Höhe der Steuer mitentscheiden können. Aita Zanetti ist der Ansicht, dass es eine Zweitwohnungssteuer braucht, die je nach Gemeinde unterschiedlich ausfällt. Maurizio Michael ist der Auffassung, dass jede Gemeinde selber über eine Zweitwohnungssteuer befinden können soll.
Beim Thema Raumplanung plädiert Aita Zanetti dafür, Prozesse in der Verwaltung zu beschleunigen. Maurizio Michael fordert mehr Gemeindeautonomie, und Nora Saratz Cazin setzt sich mit neuen Ideen gegen die Entvölkerung der Dorfkerne ein.
Ihr Vorschlag: mit der Altbestandsfläche handeln, also mit der freien Nutzbarkeit der Fläche. Als fiktives Beispiel nannte sie eine Wohnung von 150 Quadratmetern Altbestand. Diese könnte an den Meistbietenden verkauft werden, würde im Grundbuch aber als Erstwohnung in der Kernzone eingetragen werden, und im Gegenzug würde der Käufer am Dorfrand auf der grünen Wiese eine neue Zweitwohnung mit 150 Quadratmeter bauen dürfen. «Ich fände das eine super Idee, in Bern braucht es noch Überzeugungsarbeit, ich bleibe dran», so Nora Saratz Cazin.
Wie stimmen sie national ab?
Als Vertreterinnen und Vertreter eine Randregion, die von Zuwanderung und ausländischen Arbeitskräften komplett abhängig ist, überraschte es nicht, dass sich alle drei Kandidierenden klar gegen die Volksinitiative «10-Millionen-Schweiz» aussprachen. Bei der Vorlage zum Zivildienstgesetz stimmen Maurizio Michael und Aita Zanetti mit Ja, weil sie die Armee stärken möchten. Nora Saratz Cazin ist sich noch unschlüssig, zumal sie davon überzeugt ist, dass Zivildienstleistende einen wichtigen Beitrag an die Gesellschaft leisten.
Warum sollte man sie oder ihn wählen?
Wie wenig die Veranstaltung mit einem Ringkampf zu tun hatte, zeigte die Schlussrunde. Der Moderator forderte die Podiumsteilnehmenden auf, zu sagen, warum man einen oder eine der anderen Kandidierenden wählen sollte. Aita Zanetti sagte über Maurizio Michael: «Er ist eine Persönlichkeit, die seine Wurzeln nicht negiert, und das ist eine grosse Qualität. Er ist Sachpolitiker, geht auf die Leute zu, ist hartnäckig, aber immer sehr anständig im Ton».
Maurizio Michael bezeichnete Nora Saratz Cazin als «seriöse, integre und dynamische Politikerin», die gut kommuniziert, kompetent ist und «passione» hat. «Sie ist eine Person mit Profil für die Regierung.» Nora Saratz Cazin bewundert die Ruhe und Bestimmtheit, die Aita Zanetti bei ihren Anliegen vorträgt und sich so Gehör schafft. «Sie ist immer sehr gut vorbereitet und dossierfest und kann dadurch parteiübergreifend Mehrheiten gewinnen. Sie ist eine sehr gute Politikerin.»
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