«Die Schweiz ist für mich wie eine zweite Heimat.» Es ist einer der ersten Sätze, die Candy Dulfer im Gespräch sagt. Und es klingt kein bisschen einstudiert. Seit Jahrzehnten kehrt die Niederländerin regelmässig in die Schweiz zurück. Sie schwärmt vom Publikum, vom Humor der Menschen und davon, wie herzlich sie hier jedes Mal empfangen werde.

Auch an ihren letzten Auftritt am Festival da Jazz 2021 im Kulm Park erinnert sie sich gut. «Es war wunderschön – aber ziemlich kalt», erzählt sie lachend. Dass sie diesmal am Lej da Staz spielt, freut sie besonders. Bilder der Bühne am See habe sie bereits gesehen. «Wir nehmen einfach Winterjacke und Bikini mit – dann sind wir auf alles vorbereitet.» Schon dieser Satz beschreibt Candy Dulfer ziemlich gut: unkompliziert, humorvoll und voller Vorfreude.

Musik soll Menschen verbinden
Wer erwartet, dass Candy Dulfer lange darüber philosophiert, wo Jazz beginnt und Funk aufhört, wird enttäuscht. Sie denkt gar nicht in solchen Kategorien. «Ich möchte Musik so präsentieren, dass möglichst viele Menschen Freude daran haben.» Das sei schon immer ihr Ziel gewesen. Natürlich sei sie mit Jazz aufgewachsen. Genauso hätten sie aber Künstler wie James Brown oder Miles Davis beeindruckt – Musiker, die nicht einfach nur spielten, sondern ihr Publikum mitnahmen. Vielleicht freut sie sich deshalb gerade auf das Konzert am Lej da Staz. «Dort werden viele Leute sein, die mich vielleicht gar nicht kennen. Genau das finde ich eigentlich das Schönste.» Musik müsse niemanden ausschliessen, ist sie der Ansicht. Im Gegenteil. «Wenn die Energie stimmt, springt der Funke über.»

Warum neun Musiker besser sind
Wer Candy Dulfer live erlebt, merkt schnell, dass ihre Konzerte mehr sind als ein Saxophonsolo nach dem anderen. Sie reist mit einer neunköpfigen Band an. Wirtschaftlich sei das vielleicht nicht die vernünftigste Entscheidung, sagt sie lachend. «Mit dieser Besetzung kann ich alles spielen, was ich im Laufe meiner Karriere aufgenommen habe.»

Vor allem aber gehe es um Energie. Zusätzliche Bläser, Sänger und junge Musiker würden jede Show bereichern. Das Publikum solle nicht nur gute Musik hören, sondern sehen, wie viel Freude alle auf der Bühne miteinander hätten. «Die Leute wissen inzwischen: Wenn sie zu einem Candy-Dulfer-Konzert kommen, erwartet sie nicht nur meine Musik, sondern grossartige Musiker und viel Spass.»

Jazz lebt von der Freiheit
Vielleicht ist genau das auch ihre Definition von Jazz. Nicht ein bestimmter Stil. Nicht ein festes Regelwerk. Sondern Freiheit. «Für mich beginnt Jazz dort, wo Raum für Improvisation ist.» Man könne Charlie Parker oder John Coltrane nicht kopieren. «Deshalb entwickelt sich Musik weiter.» Dass heute viele junge Menschen über Funk, Soul oder Pop erstmals mit Jazz in Berührung kämen, findet sie deshalb überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil. «Genau daraus entstehen neue Ideen.» Auch das Festival da Jazz gehe diesen Weg seit Jahren. «Man entdeckt dort neue Musik. Das gefällt mir.»

Wie beschreibt man ein Candy-Dulfer-Konzert jemandem, der sie noch nie live erlebt hat? Sie muss nicht lange überlegen. «Unsere Shows sind eigent­lich ein bisschen wie das Leben.» Es gebe ruhige Momente und emotionale Stücke. Es gebe aber auch Spannung, Überraschungen und sehr viel Energie. Ein Konzert brauche einen Aufbau. «Wie ein gutes Buch.» Und ganz am Schluss? Da muss Candy Dulfer lachen. «Dann soll eigentlich niemand mehr still sitzen können.» 

Immer unterwegs
Viel Zeit, das Engadin zu geniessen, wird ihr auch diesmal nicht bleiben. Wie so oft kommt die Band erst kurz vor dem Konzert an und reist am nächsten Tag gleich wieder weiter. «Das ist unser Leben. Wir kommen an die schönsten Orte der Welt – und müssen sie oft gleich wieder verlassen.» Ein Satz, der fast ein wenig wehmütig klingt.

Vielleicht passt gerade das zu Candy Dulfer. Seit mehr als vierzig Jahren ist sie unterwegs. Sie hat mit Weltstars gespielt, grosse Hallen gefüllt und Musikgeschichte geschrieben. Doch wenn man ihr zuhört, spricht sie kaum über Auszeichnungen oder berühmte Namen. Sie spricht über Publikum. Über junge Musiker. Über gemeinsame Energie. Und darüber, Menschen mit Musik für einen Abend glücklich zu machen. Vielleicht ist genau dies das Geheimnis ihres Erfolgs.

Das Konzert von Candy Dulfer am Lej da Staz findet am Sonntag, 19. Juli um 19.07 Uhr statt. 

Autorin: Sina Margadant
Fotos: Ger Ardrichen / Hilde Harsagen