Für Laien ist die Startliste der Sommerprüfung des Hundesportvereins SKG a l‘En ein Rätsel. Da stehen unter «Klasse» zum Beispiel Abkürzungen wie BH/VT oder VPG. Und zum Prüfungsinhalt stehen «Revier», »Fährte» oder «Führigkeit». Doch wer erst einmal in die Welt des Hundesports eintaucht, ist bald fasziniert vom Zusammenspiel von Mensch und Hund, von der Harmonie der Teams. Schnell sind auch die Abkürzungen nachvollziehbar: BH steht beispielsweise für Begleithund. VT heisst Verhaltenstest und VPG bedeutet Vielseitigkeitsprüfung.
«Die Highlight-Prüfung im Jahr»
An diesem frühen Samstagmorgen treffen sich Hundehalterinnen und Hundehalter aus der ganzen Schweiz auf dem Prüfungsgelände beim Hof Nuotclà in La Punt Chamues-ch, welches der Hundesportverein SKG a l’En für die Sommerprüfung vorbereitet hat. «Für mich ist diese Prüfung immer meine Highlight-Prüfung im Jahr – diese Berge, diese Landschaft, es ist einfach nur schön hier», schwärmt Christine aus Basel. Im Hundesport geht es unkompliziert zu und her. Da wird sich sofort geduzt. Auch Francesca aus Chur ist an diesem Tag sehr früh aufgestanden, um mit ihrem Capri die Begleithundeprüfung 3 im Engadin zu absolvieren. «Ich schätze die familiäre Atmosphäre, die hier herrscht», sagt sie. Es seien tolle Leute dabei.
Perfekte Verhältnisse im Engadin
Die wichtigste Person vor Ort ist an diesem Tag Urs Meyer. Der Baselbieter ist der Richter. Er beobachtet, bewertet, verteilt Punkte und entscheidet, ob die Teilnehmenden bestanden haben oder nicht. Sein Programm ist durchgetaktet. Es beginnt mit der Revierarbeit, bei der – vereinfacht erklärt – die Hunde systematisch ein Feld absuchen und mehrere Gegenstände finden müssen. Weiter geht es mit der Fährtensuche auf einer anderen Wiese, hier ist Nasenarbeit gefragt. Die Prüflinge aus dem Unterland sind begeistert von den Verhältnissen, die im Engadin herrschen: viel Platz, kühle Temperaturen und vor allem noch sattgrüne Wiesen, welche grosszügigerweise von den Bauern für diesen Anlass zur Verfügung gestellt werden.
«Wir konnten mit unseren Hunden sehr wenig für die Prüfungen üben, da es einfach zu heiss war und die Wiesen trocken und stoppelig», erzählt Jeanette. Für sie und ihren Ice läuft es aber dennoch gut an diesem Prüfungstag. Die Wärme scheint dem Deutschen Schäferhund nichts auszumachen und auf auf ihn positiv auszuwirken. Das Team zeigt die Tagesbestleistung.
Prüfungen vor der eigenen Haustür
Der heisse Sommer hat aber auf die Teilnehmerzahl der Sommerprüfung im Engadin Auswirkungen. «In anderen Jahren waren wir immer ausgebucht, dieses Jahr sind viele nicht gekommen, weil sie nicht trainieren konnten», erzählt Corina Bormann, Präsidentin des Hundesportvereins SKG a l’En. Sie ist seit 15 Jahren mit dabei und organisiert die Sommerprüfung im Engadin. Dabei kann sie auf ein treues Helferteam zählen. «Wir gehören zum Dachverband SKG Schweiz, und dieser ist froh um jeden Hundesportverein, der Prüfungen anbietet», sagt sie. Der Grundgedanke, warum der SKG a l’En jedes Jahr eine Sommerprüfung durchführt, ist, dass die eigenen Mitglieder vor der Haustür die Prüfungen absolvieren können. Sonst müssen sie oftmals weit fahren, um die Prüfungsstandorte zu erreichen.
Konzentration und Action
Nach der Fährtenprüfung versammeln sich die meisten Teilnehmenden und auch Publikum beim sogenannten «Unterordnungsplatz». Hier werden die Kategorien «Unterordnung», «Führigkeit» und «Schutz» geprüft. «Die Nationale Prüfungsordnung der Arbeitsgemeinschaft für das Gebrauchs- und Sporthundewesen» gibt genau vor, was die Hunde und Menschen können müssen, um die einzelnen Sparten zu bestehen. Bei der Unterordnung werden unter anderem Leinenführigkeit, Apportieren oder Hochsprung geprüft. Bei der Führigkeit muss das Team durch eine Personengruppe laufen, der Hund wird unter Ablenkung abgerufen oder muss Sitz aus der Bewegung machen.
Action gibt es für das Publikum bei der Prüfung zum Schutzdienst. Ein Helfer stürmt aus einem Versteck und flüchtet. Sobald der Hund das Kommando von seinem Herrchen bekommt, packt er den gut gepolsterten Mann und hindert ihn an der Flucht. Erst als ihm befohlen wird, von der Person abzulassen, ist der Flüchtige wieder frei. Doch der Hund bewacht ihn, bis er den Befehl erhält, damit aufzuhören. Spontaner Applaus erntet das Team für die gelungene «Show».
Von Malinois bis Boston Terrier
Stundenlang ist der Richter auf dem Platz, beobachtet aufmerksam, bewertet die Leistungen, erklärt Fehler, lobt gute Arbeit. Die Bewertung geht von «mangelhaft» bis «vorzüglich». Um zu bestehen, muss je nach Prüfung eine bestimmte Anzahl der Punkte erreicht werden. Alle Hunderassen sind zugelassen. Die meisten Hunde vor Ort sind Schäfer oder Malinois, doch ein Cocker Spaniel, ein Russischer Terrier, ein Grosspudel, ein Pinscher und eine kleine Boston Terrierhündin beweisen, dass auch sie dank Training viel draufhaben können.
Nachdem die letzte Prüfungsteil absolviert ist, lobt Urs Meyer das Organisationsteam des Anlasses und die Infrastruktur. «Solche Prüfungsbedingungen sind ein Luxus», sagt er. Dann geht es zum wohlverdienten Mittagessen beim Verpflegungsstand.
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