555 Aktionärinnen und Aktionäre sind am vergangenen Samstag zur Generalversammlung der Bergbahnen Scuol AG erschienen – ein Rekordaufmarsch. Die Anwesenden haben 54,7 Prozent aller möglichen Stimmen vertreten. Das Bergrestaurant La Motta war fast bis zum letzten Platz gefüllt. Die Eröffnung des Neubaus fand im Dezember 2024 statt. Seither wurden die Abläufe in der Gastronomie verbessert und die Qualität wurde gemäss Verwaltungsratspräsident Andri Lansel gesteigert. «Erstmals hatten wir einen vollständigen Sommer- und Winterbetrieb, und wir konnten diese stilvollen Räumlichkeiten für sehr viele Anlässe zur Verfügung stellen», informierte er. 

Das neue Angebot hatte deutliche Auswirkungen auf die Zahlen im Geschäftsjahr 2025/26. Der Rekordumsatz vom Vorjahr von 18,2 Millionen Franken konnte auf 19,2 Millionen Franken gesteigert werden. «Die Steigerung um eine Million ist auf den Gastronomieumsatz zurückzuführen», erklärte der Verwaltungsratspräsident. In der Gastronomie gab es eine Steigerung um rund 35 Prozent.

Beschneiung rettete den Winter
Direktor Andri Poo erläuterte das Geschäftsjahr 2025/26 und die Jahresrechnung (siehe Kasten) etwas detaillierter. «Der Sommer 2025 war mit über 93 500 Ersteintritten deutlich stärker als die Sommer 2023 und 2024», sagte er. Der Winter 2025/26 hingegen litt zu Saisonbeginn unter dem dürftigen Schneefall. Erst Mitte Februar schneite es kräftiger. Mit über 360 500 Ersteintritten im Winter konnten dennoch fast die Vorjahreszahlen erreicht werden. 

«Dies war nur dank der hervorragen­den Arbeit der Beschneier und Pistenmaschinenfahrer möglich», betonte Andri Poo. Andere Skigebiete hätten im vergangenen Winter nicht die Möglichkeit gehabt, zu öffnen.

Mehr Personal notwendig
Mit Blick auf die Jahresrechnung erklärte Poo, dass nicht nur der Ertrag, sondern auch der Aufwand im vergangenen Geschäftsjahr gestiegen sei, und zwar um rund zehn Prozent. Dies hinge vor allem mit dem gestiegenen Personalaufwand zusammen. In der Gastronomie brauchte es mehr Personal. Ausserdem wurden die Lohnstrukturen angepasst, um auf dem Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. 

Die Bergbahnen Scuol AG ist mit 40 Jahresangestellten und im Winter insgesamt 150 Mitarbeitenden beim Bahnbetrieb und in der Gastronomie einer der grössten Arbeitgeber der Region. «Unsere Mitarbeitenden bilden das Funda­ment unseres Unternehmens, sie haben massgeblich zum guten Jahresergebnis beigetragen», meinte Andri Lansel. 

Vorsorgen für schlechtere Zeiten
Das erfolgreiche Geschäftsjahr ermög­lichte den Bergbahnen Scuol AG, Abschreibungen in Höhe von 5,5 Millionen Franken auf ihre Anlagen zu tätigen. Die Erfolgsrechnung weist ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 5,4 Millionen Franken auf. Die Erfolgsrechnung bezeichnete Andri Poo als «gewollt ausgeglichen». Der Jahresgewinn beträgt 29 Rappen, auf Franken gerundet ist das eine glatte Null. 

Im Branchenvergleich sind die Kennzahlen der Bergbahnen Scuol AG gut. «Wir können ruhig schlafen, aber es ist uns bewusst, dass ein paar schlechte Jahre uns schnell einmal in eine kritische Situation bringen könnten», sagte er. Das Ziel müsse sein, dass neben den geplan­ten Investitionen auch sichergestellt wird, dass das Unternehmen schlechtere Zeiten überstehen kann.


Vom Wasser abhängig
Der Sommer 2026 war jedenfalls erneut sehr erfolgreich für die Bergbahnen Scuol AG. Das schöne, warme Wetter zog viele Gäste und Einheimische auf die Berge. Wärme und Trockenheit zeigen aber besonders in der Bergbahnbranche auch die Kehrseite der Medaille auf. «Wir wissen, dass wir von den Klimabedingungen und vom Wasser abhängig sind, und wir hoffen jetzt auf Regen und bald Schnee, damit wir den Winter geniessen dürfen», meinte Andri Poo. Aktuell lassen die Bergbahnen Scuol AG prüfen, wo weitere Seen für die Speicherung des Schmelzwassers entstehen könnten.

Der Sommer wird gestärkt
Sämtliche Traktanden der Generalversammlung wurden ohne Gegenstimme genehmigt. Andri Lansel informierte die Anwesenden unter Varia noch, welche Bautätigkeiten diesen Sommer getätigt wurden. So wurden Verbesserungen an der Beschneiungsanlage ausgeführt. Die Sesselbahn Mot da Ri wurde für 3,5 Millionen Franken modernisiert und für die nächsten 20 Jahre fit gemacht. In der Wasserpumpstation beim Tasna-Bach wurde eine dritte Pumpe installiert, damit gleichzeitig grössere Wassermengen auf den Berg gepumpt werden können. 

Verwaltungsrat und Direktion werden sich in Zukunft vor allem mit der Stärkung des Sommers befassen. Dazu wurde eine Kommission mit Fachleuten aus der Tourismusbranche aus dem ganzen Tal zusammengestellt. Die Kommission wird von einem Experten begleitet. Erste Massnahmen sollen im Sommer 2027 umgesetzt werden. Auch wird das Biketrail-Netz noch weiter ergänzt. Ebenfalls im kommenden Sommer startet der Bau der Beschneiungsanlage der Champatsch-Pisten. Die neue Linienführung ist bereits bestimmt. Der Ersatz der Schlepplifte wird frühestens 2029 erfolgen. 

Neu: Jahres- statt Saisonkarte
 Die offizielle Wintereröffnung im Skigebiet Motta Naluns ist am 12. Dezember. Neu wurde die Einheimischenkarte von einer Saisonkarte in eine Jahreskarte umgewandelt, unter anderem, um den Zugang zum Wintersportgebiet zu erleichtern, vor allem auch zu Anlässen. Informiert wurden die Aktionärinnen und Aktionäre schliesslich noch darüber, dass spätestens im Januar ein Informationsanlass zur Zukunft des Engadinerhof-Areals stattfinden wird. Im vergangenen Jahr hat die Bergbahnen Scuol AG einen Kaufrechtsvertrag mit der Firma Halter AG abgeschlossen. Es gibt inzwischen eine unterzeichnete Planungsvereinbarung zwischen der Gemeinde Scuol und der Firma Halter AG. Vorgesehen ist auf dem Areal unter anderem ein Hotel.

Die Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2025/26
Gesamtumsatz: 19 222 052 Franken (Vorjahr 18 242 119)
Betriebsaufwand: 13 819 105 Franken (Vorjahr 12 460 774)
Cashflow: 1 626 254 Franken (Vorjahr 12 538 414)
Jahresgewinn: 0 Franken (Vorjahr 2)
EBITDA: 5 402 946 Franken (Vorjahr 5 781 345)
EBIT: - 100 466 Franken (Vorjahr 694 118)
EBT: - 620 733 Franken (Vorjahr 254 107)
Eigenkapitalquote: 33 Prozent (Vorjahr 32)

Den Sommer stärken – aber wie?
Im Anschluss an die Generalversammlung der Bergbahnen Scuol AG referierte Matthias Imdorf über Möglichkeiten, den touristischen Sommer am Berg zu stärken. Imdorf ist beim Unternehmen Erlebnisplan als Experte für strategische Tourismusplanung zuständig. In seinem Vortrag ging er zunächst auf österreichische Destinationen ein, die den Sommer am Berg mit grossem Erfolg vermarkten. Dazu gehören die Leoganger Bergbahnen mit der Bike- und Familienpositionierung, die Berg- und Skilift Hochsöll GmbH mit dem Projekt Hexenwasser und die Seilbahngesellschaft Komperdell Serfaus mit der Zielgruppe Familien. 

Laut Imdorf hat die Region Unterengadin bereits gute Sommerangebote, die jedoch ausbaufähig sind und attraktiver gestaltet werden könnten. So erwähnte er das Biketrail-Netz, das Trottinett-Erlebnis, den Flurina-Themenweg oder das Mineralwasser und das Bogn Engiadina. Er sprach davon, solche Angebote zu schärfen, besser zu kommu­nizieren, aber auch neue Angebote zu schaffen. Laut Imdorf bedingt die Stärkung der Sommersaison eine Fokusverschiebung: «Den Sommer bei den Bergbahnen Scuol noch besser in Wert zu setzen, heisst den Sommer als zukunftsweisendes, strategisches und langfristig zu entwickelndes Geschäftsfeld zu betrachten.» Die Entwicklung müsse im Einklang und im Austausch mit der Destination erfolgen. «Die Werte der Region müssen sich im Angebot wiederfinden.» Den Sommer in Scuol zu entwickeln, bedeute auch, neue Gäste in die Region zu holen.

Autorin und Fotos: Fadrina Hofmann