Im Rahmen der Vernehmlassung zur Vorlage «Verkehr ’45» fordert die Bündner Regierung, die besonderen Verkehrsbedürfnisse von Gebirgskantonen stärker zu berücksichtigen. Wie aus einer Mitteilung vom Dienstag hervorgeht, soll insbesondere die Umfahrung Bivio auf der Nationalstrasse N29 vom bisherigen Realisierungshorizont «Weitere» auf 2045 vorgezogen werden.

Unterstützung erhält die Regierung von den Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden (DWGR). Diese kritisieren in einer Medienmitteilung vom Mittwoch, dass die Bewertungskrite­rien des Bundes die besonderen Anforderungen des Berggebiets unzurei­chend berücksichtigen. Durchschnittliche Verkehrsmengen und die Bevölkerungsdichte allein würden der Bedeutung wichtiger Verkehrsachsen nicht gerecht.

Engpass auf der Julierstrasse
Die Wirtschaftsverbände verweisen insbesondere auf die problematische Ortsdurchfahrt in Bivio. Dort befindet sich eine Engstelle ohne Trottoir, die faktisch nur im Einbahnregime passierbar ist. Für eine Nationalstrasse mit wichtiger Versorgungsfunktion sei dies auf Dauer nicht vertretbar. Nach der Beseitigung des Engpasses in Mulegns verbleibe Bivio als wesentlicher Engpass auf der Julierstrasse.

Sowohl Regierung als auch Wirtschaftsverbände betonen die Bedeutung der Verbindung für das Oberengadin. Neben der Erreichbarkeit müssten auch die Versorgungssicher­heit, fehlende Ausweichmöglichkeiten und die Auswirkungen von Naturgefahren stärker in die Bewertung einfliessen.

Weitere Forderungen betreffen den Ausbau der N13 bei Isla Bella zwischen Reichenau und Rothenbrunnen. Während die Regierung eine Realisierung bis 2055 anstrebt, fordern die Wirtschaftsverbände eine Umsetzung bis 2045. Zudem setzt sich die Regierung für verschiedene Verbesserungen der Bahninfrastruktur ein, darunter die neue Kreuzungsstelle Li Foppi auf der Berninalinie. `

Autoren: Standeskanzlei/DWGR/ep
Archivfoto: Daniel Zaugg