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Noch hat die Bausaison im Engadin nur zögerlich begonnen. Die Unternehmer sind in der Pflicht, nur Baustellen zu betreiben, auf denen die Sicherheitsanforderungen gewährleistet werden können. Foto: Jon Duschletta

Noch hat die Bausaison im Engadin nur zögerlich begonnen. Die Unternehmer sind in der Pflicht, nur Baustellen zu betreiben, auf denen die Sicherheitsanforderungen gewährleistet werden können. Foto: Jon Duschletta

Verhalten der öffentlichen Hand ist matchentscheidend

Die von der Bauwirtschaft kommunizierten positiven Jahreszahlen 2019 und die guten Prognosen für das 2020 sind kaum verklungen, da ist mit einem Schlag alles wieder anders. Die Corona-Krise trifft auch die Baubranche. Trotzdem gibt es auch Hoffnung.

Die gute Nachricht nach dem letzten Wochenende lautet: Die Bautätigkeit kann unter Einhaltung der allgemein bekannten Sicherheitsmassnahmen aufrechterhalten werden. Gefordert ist aber auch hier der und die Einzelne.
Die Bündner Regierung hat am Sonntagnachmittag über die Standeskanzlei verlauten lassen, dass die Regierung eine vollständige Schliessung aller Baustellen in Übereinstimmung mit dem Bund ablehnt. Dies im Gegensatz zum Kanton Tessin, der ebenfalls am Sonntag entschied, alle Baustellen und Produktionsstätten auf seinem Kantonsgebiet ab Montag zu schliessen.
Eine Delegation der Bündner Regierung und des kantonalen Führungsstabs, bestehend aus den Regierungsräten Peter Peyer, Vorsteher des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit und Marcus Caduff, Vorsteher des Departements für Volkswirtschaft und Soziales sowie dem Chef des kantonalen Führungsstabs, Martin Bühler, hat am Montag die Region Moesa besucht und sich dort mit Vertretern aus den Grenzregionen von Tessin und Italien zum Gespräch getroffen. Gleiches wird heute Dienstag im Engadin passieren.
Es gehe laut der Mitteilung der Standeskanzlei Graubünden darum, sich mit der speziellen Situation zu befassen, in welcher sich die Talschaften Südbündens in der aktuellen Corona-Krise befinden.

Grosses Interesse an offenen Grenzen
Durch ihre Nähe zum Tessin und zu Italien stünden die Täler des italienischsprachigen Graubündens und das Engadin vor speziellen Herausforderungen. So seien zahlreiche Betriebe von öffentlichem Interesse von Mitarbeitenden abhängig, welche täglich über die Grenze und so zwischen Italien, Österreich und der Schweiz pendeln würden. Die Regierung anerkennt, dass die Offenhaltung der Grenzen gerade für grenznahe Gebiete nach wie vor von grossem Interesse ist.
Um die weitere Verbreitung des Coronavirus wirkungsvoll bekämpfen zu können, forderten Grossräte aus der Region Moesa in einen Schreiben an die Regierung, die Baustellen in der Region seien – gleich dem Nachbarkanton Tessin – durch den Kanton sofort stillzulegen. Die vom Bund verordneten Massnahmen liessen sich auf Baustellen nicht umsetzen, so die Befürchtung der Parlamentarier.
Diese Forderung nach der Schliessung aller Baustellen in der Region Moesa lehnt die Regierung aber ab. Die aktuell geltenden Vorschriften des Bundes würden dem Kanton eine solche Massnahme verbieten, so die Standeskanzlei. Geschlossen werden müssten demnach einzig Baustellen, auf denen die Einhaltung der strengen und vom Bund vorgegebenen Sicherheitsmassnahmen nicht garantiert werden kann.

Pendler zu dritt oder zu viert im Auto
Gefordert ist auch hier einmal mehr jede Einzelne und jeder Einzelne. Es sei im Interesse eines jeden Betriebes, seine Tätigkeit so lange wie möglich aufrechterhalten zu können. Dies sei aber nur möglich, wenn die Massnahmen des Bundes zum Schutz der Arbeitnehmenden und zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg strikt eingehalten würden, so die Standeskanzlei. Es liege deshalb auf der Hand, dass die Wahrung des geforderten Abstands gerade auch in Fahrgemeinschaften von und zur Arbeit eingehalten werden müsse. Am Montag hatten verschiedene Augenzeugen in den sozialen Medien von Autos berichtet, die mit drei oder gar vier Grenzgängern an Bord in Richtung Engadin unterwegs waren.

Welche Auswirkungen die Corona-Krise aktuell auf die Bautätigkeit in Südbünden hat, lesen Sie im nachfolgenden Text: 

Andreas Felix, der Geschäftsführer des Graubündnerischen Baumeisterverbandes GBV, stellte sich am Montag im Namen des GBV hinter die bundesrätlichen Verordnungen zum Schutz vor der Corona-Pandemie: «Die Einschätzung der Experten auf Bundesebene bildet auch für uns die Grundlage», so Felix. «Die Haltung der Regierung berücksichtigt die gesundheitspolizeilichen Vorgaben und die notrechtliche Zuständigkeit des Bundes sowie die volkswirtschaftlichen Gesamtzusammenhänge und findet unsere Zustimmung», konkretisiert er. Ähnliches hatte am Freitag auch schon der Schweizerische Baumeisterverband SBV kommuniziert und auf verschiedene interne Hilfsmittel hingewiesen.
Andreas Felix zeigt sich erleichtert, dass Baustellenbetreiber, welche die strengen Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit, Hygiene und hinsichtlich des «Social Distancing» einhalten können, ihre Baustellen weiterbetreiben dürfen. «Wo dies nicht gewährleistet ist, haben sich Unternehmer und Bauherrschaft auf Grundlage der Analyse vor Ort auf die Schliessung der Baustelle zu verständigen.»

GBV hat Monitoring eingerichtet
Laut Andreas Felix steht der GBV zur Bewältigung der ausserordentlichen Lage in engem Kontakt mit den Behörden und dem SBV, «sodass die Mitgliederanfragen an den GBV laufend in die Informationen des SBV auf der Website baumeister.ch einfliessen. Auf diese Weise ist die einheitliche und rechtssichere Information der Mitglieder sichergestellt.»
Felix mahnt, dass die Einhaltung der verfügten Massnahmen auf Baustellen anspruchsvoll ist: «Andererseits hat die Aufrechterhaltung des Baustellenbetriebs dort, wo die verfügten Massnahmen eingehalten werden können, gerade in dieser für uns alle schwierigen Zeit eine grosse volkswirtschaftliche und nicht zu unterschätzende psychologische Wirkung.» Er appellieren an die Mitglieder, dies mit aller Konsequenz umzusetzen.
Aber auch der GBV ist aktiv. So wurde letzte Woche ein Monitoring eingerichtet, in welchem mittels einer standardisierten Vier-Fragen-Umfrage bei den Mitgliedsfirmen die getroffenen Massnahmen und die jeweilige Betroffenheit der Firmen wöchentlich erfasst, beurteilt und aktualisiert wird. Informationen, welche laut dem St. Moritzer Unternehmer und Präsidenten des GBV Südbünden, Maurizio Pirola, in aktualisierter Form an die Regierung und das kantonale Tiefbauamt fliessen.

Hilfsmassnahmen richtig und wichtig
Die aktuelle Situation stelle viele Betroffene vor existenzielle Probleme, so Andreas Felix. Auf die erleichterten Regelungen für Kredite angesprochen, auf administrative Erleichterungen und den besseren Zugang zu Kurzarbeitsentschädigung sagte Felix: «Diese Hilfsmassnahmen sind wichtig und richtig. Für den Baumeisterverband ist es entscheidend, dass diese Instrumente für Unternehmen, die Baustellen einstellen müssen und in eine Notlage geraten, rasch und unbürokratisch zugänglich sind.»
Für Andreas Felix wie auch für Maurizio Pirola ist die Ausschreibungs- und Vergabetaktik von Bauaufträgen seitens der öffentlichen Hand nun matchentscheidend. «Viele Unternehmer haben neben den laufenden Verpflichtungen auch noch solche aus den ersten beiden Monaten zu erfüllen», sagte Pirola, «es ist deshalb sehr wichtig, dass solche anstehenden Arbeiten – auch unter Vorbehalt der Durchführbarkeit – jetzt ausgeschrieben und vergeben werden, um nicht später ein Auftragsvakuum entstehen zu lassen.» Ansonsten stehe der GBV seinen Mitgliedern bei, indem er «beobachtet, informiert, dokumentiert und bei Anfragen zur Verfügung steht», so Andreas Felix.
Der Engadiner Bauwirtschaft kommt zugute, dass die eigentliche Bauhauptsaison erst nach Ostern startet. Maurizio Pirola, Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Bauunternehmung D. Martinelli AG, sagt dies stellvertretend für die GBV-Mitgliedsfirmen. «Ich verstehe aber die Angst und Unsicherheit vieler Betriebe, allen voran jenen in den Südtälern, wo die Lage noch schwieriger ist.
Nur gerade ein Drittel der Mitarbeitenden stehen bei der St. Moritzer Bauunternehmung aktuell schon im Einsatz, hauptsächlich im Magazin oder auf Baustellen, die unter den Vorgaben des Bundes gut organisierbar sind, so Pirola. «Jeder Unternehmer muss selbst entscheiden können, ob er die Massnahmen des Bundes erfüllen kann.» Zwei Betriebe im Puschlav haben letzte Woche deshalb vorübergehend und freiwillig geschlossen.

ARA: Mehr Waschgelegenheiten und gestaffelte Pausen
Am Beispiel der Grossbaustelle ARA Oberengadin in S-chanf macht Pirola – er ist Präsident des Verbandes Abwasserreinigung Oberengadin ARO – konkrete Massnahmen sichtbar: «Wir haben vor Ort gleich mehrere zusätzliche Toi-Toi-Waschbatterien aufgestellt, wo sich jeweils fünf Arbeiter regelmässig die Hände waschen können. Zudem wurden zusätzliche Container aufgestellt, damit die Arbeiter gestaffelt Pause machen oder Mittag essen können.» Schwieriger wird es gemäss Pirola bei kleineren Baustellen, wo verschiedene Handwerker ein- und ausgehen. «Da müssen die Arbeiten gestaffelt oder notfalls hinausgeschoben werden.»

Keine Baustelle ohne Baumaterial
Die Wirtschaft, Bauunternehmungen selbstverständlich mit eingeschlossen, kann nur weiter funktionieren, wenn die Zulieferung von Rohstoffen und Baumaterialien auch in der aktuellen Ausnahmesituation gewährleistet ist. Die beiden grössten Bauzulieferer der Region, die HG Commerciale und die Josias Gasser Baumaterialien AG, haben entsprechend den Vorgaben des Bundes ihre Dienstleistungen angepasst und eingeschränkt, aber nicht eingestellt. Robert Heeb, Verkaufsleiter der Region Südbünden, sagte auf Anfrage: «Wir sind Grundversorger für die Bauwirtschaft und beliefern unsere Kunden selbstverständlich weiterhin. Der Abholdienst in den Filialen wurde angepasst, beispielsweise dahingehend, dass wir Kunden nur noch einzeln bedienen.» Laut Heeb wird die HG diese eingeschränkten Dienstleistungen so lange aufrecherhalten, wie dies von den Behörden so erlaubt ist.
Gleiches gilt auch für den Mitbewerber, die Josias Gasser Baumaterialien AG. Deren Geschäftsleiter, Theo Joos, verwies zudem auf die Anordnung, dass Kundenbesuche der Aussendienstmitarbeitenden nur noch auf ausdrücklichen Kundenwunsch und gemäss den geltenden Sicherheitsrichtlinien stattfinden. «Wir empfehlen den Kunden, ihre Bestellungen per Telefon, E-Mail oder im Online-Shop zu tätigen, damit die Verweilzeiten in den Filialen zum Wohle aller verkürzt werden können.»

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat ein Merkblatt für Arbeitgeber zum Schutz der Mitarbeitenden vor dem Coronavirus verfasst und in Zusammenarbeit mit der Suva auch eine Checkliste für die Bauwirtschaft erstellt. Zu finden sind diese auf der Homepage: www.suva.ch.

Autor und Foto: Jon Duschletta

 


2 Kommentare

1000/1000
Maria H. am 24.03.2020, 07:46
Die gute Nachricht nach dem letzten Wochenende lautet: Die Bautätigkeit kann unter Einhaltung der allgemein bekannten Sicherheitsmassnahmen aufrechterhalten werden. ....... Was für ein Hohn. Die Baulobby muss wirklich unglaubliche Macht über die Politik haben.
Die KMU welche geschlossen wurden, dürfen gleichzeitig über die Klinge springen und mit Krediten die Banken retten. Die Kredite sind durch den Bund verbürgt. Viele Kleinunternehmen sind sich aber nicht bewusst, dass der Bund den Verlust der Bank deckt und ihre Firma trotzdem pleite geht, falls sie den Kredit nicht zurückzahlen können.
Dabei wäre doch Solidarität für alle jetzt so wichtig
John Hook am 24.03.2020, 08:06
Baustellen zu und zwar sofort! Man geht bewusst ein grosses Risiko ein um die Wirtschaft am lauffen zu halten und vergisst dabei das die leidtragenden am schluss die bereits jetzt überlasteten und unterbezahlten Helden des Gesundheitswesens sind! Diese dürfen danach die zeche dafür bezahlen mit unmenschlichen Überstunden. Unfassbar! Die Krawattenheinis werden anschliessend sagen das man im nachhinein ja immer alles hätte anders machen können! Wenn es zu Triagen kommen sollte hoffe ich das die Herren des Bundes zur unterstützung beigezogen werden.
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