Der Hotelier des Jahres, Marc Eichenberger vor der «Grande Dame», dem Grand Hotel Kronenhof in Pontresina. 	Foto: Reto Stifel

Der Hotelier des Jahres, Marc Eichenberger vor der «Grande Dame», dem Grand Hotel Kronenhof in Pontresina. Foto: Reto Stifel

Der «Tuttoafare» ist auch Hotelier des Jahres

Marc Eichenberger vom Grand Hotel Kronenhof in Pontresina ist zum Hotelier des Jahres ausgezeichnet worden. Was bedeutet ihm der Titel? Wie fördert er seine Mitarbeiter? Und warum ist er selber Hotelier geworden? Die EP/PL hat sich mit ihm zu einem Gespräch in der Lobby der «Grande Dame getroffen. 

Ein Donnerstagvormittag in der Lobby des Grand Hotel Kronenhof in Pontresina. Ein wunderbarer Frühherbsttag kündigt sich an, die meisten Gäste sind bereits unterwegs. Auch für Marc Eichenberger, seit 2013 Direktor, ein kurzer Moment des Innehaltens. Seit Kurzem kann er sich auch mit dem Titel «Hotelier des Jahres» schmücken, welchen das Wirtschaftsmaga‧zin «Bilanz» jeweils vergibt. Er selbst würde sich den Titel nicht geben, sagt er, und ergänzt, dass es in der Schweiz sehr viele gute Hoteliers gebe, die hervorragende Arbeit leisteten und die Auszeich‧nung ebenso verdient hätten. «Zudem ist es ein Titel, der mir überreicht wurde, welcher aber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört. Sie machen einen hervorragen‧den Job.» Oder wie es die «Bilanz» in der Laudatio schreibt: «Das Team ist das schlagende Herz und die Seele des Hotels.»

Gefreut hat er sich über die vielen Reaktionen der Gäste weltweit. «Mir ist wieder klar geworden, wie eng sie mit dem Hotel verbunden sind, auch wenn sie nicht bei uns in den Ferien sind.» Sei es über das Lesen von Branchenmagazinen oder als Follower in den sozialen Medien. Er ist überzeugt, dass ein solcher Titel auch dem Hotel gute Publicity bringt. Im Bilanz-Hotel-Rating hat der Kronenhof Rang sieben unter den 50 besten Ferienhotels der Schweiz erreicht. 

Als «Grande Dame» wird das Engadiner Traditionshaus auch gerne bezeichnet. «Eine Grande Dame mit vielen Geheimnissen und auch einigen Marotten», fügt Eichenberger an. Letztere würden sich vor allem in der Zwischensaison zeigen, wenn die aufwendi‧gen Unterhaltsarbeiten anste-hen. Der Unterhalt ist das eine, die laufenden Investitionen das andere. Erst diesen Frühling wurde die Bel Etage des Hotels komplett renoviert und modernisiert. Wie immer bei Bauarbeiten, bestand die Herausforde-rung darin, einen Mittelweg zu finden zwischen der Modernisierung und dem Anspruch, auch der langjährigen Geschichte des Hauses und damit der historischen Architektur gebührend Rechnung zu tragen. 

Einerseits geht es um Hardware, also um die Infrastruktur, andererseits um die Software, die Mitarbei‧terinnen und Mitarbeiter. «Ich darf mich glücklich schätzen, über einen langjährigen Mitarbeiterstamm zu verfügen», sagt Eichenberger. Diese kennen die Gäste und die Gäste kennen die Mitarbeitenden, das vereinfache vieles. Eine Aufgabe für die Branche ganz allgemein stelle die Rekrutierung neuer Mitarbeiter dar. Dass die Rahmenbedingungen wie unregelmässige Arbeitszeiten und tiefe Löhne gegen eine Karriere in der Hotellerie sprechen, weiss er. Trotzdem sei in letzter Zeit diesbezüglich schon einiges unternommen worden, um die Attraktivität zu steigern. Letztlich könne auch jeder Hotelier selber etwas dazu beitragen, dass die Branche gerade auch für junge Leute attraktiv bleibe.

Marc Eichenberger hat sich mit dem Beruf des Hoteliers einen Kindheitstraum erfüllt, wie er sagt. Obwohl er nicht einer Hoteliersfamilie entstam-me, sei es immer sein Wunsch gewesen, Gastgeber zu werden. Aufgewach‧sen im aargauischen Seetal, hat er nach der Matura und dem Militärdienst die Schweizerische Hotelfachschule in Luzern besucht und in verschiedenen Praktika erste berufliche Erfahrungen gesammelt. Später war er unter anderem im Fünf-Sterne-Resort Park Weggis und im Suvretta House in St. Moritz tätig, bevor er als Direktor nach Pontresi-na in den Kronenhof wechselte. Auch heute würde der 45-Jährige den Beruf des Hoteliers sofort wieder ergreifen. «Weil jeder Tag anders ist und man am Morgen nie weiss, was auf einen zukommt. Vor allem aber gefällt mir der Kontakt mit den Gästen.» Nicht selten ergeben sich aus diesen Kontakten langjährige Freundschaften. Schliesslich ist es auch die Zusammenarbeit im Team, die ihm Freude bereitet. «Während jeweils vier Monaten im Sommer und im Winter leben wir wie in einer grossen Familie unter einem Dach. Das kann herausfordernd sein, gibt aber auch eine sehr starke Bindung.»

Er will Mitarbeiter, die nicht einfach ihren Job erledigen, sondern mitdenken und selber Ideen einbringen. Er ist bereit, Verantwortung abzugeben, was wiederum Vertrauen und gegenseitigen Respekt bedingt. Das sei seine Rolle als Innenminister. Er sei aber auch Aussenminister, der Gastgeber, der von frühmorgens bis spätabends für die Anliegen seiner Gäste da ist. «Eigentlich bin ich für alles zuständig, oder wie es in der Hotelbranche so schön heisst, ich bin der «Tuttoafare».

Beim abschliessenden Fototermin vor dem Haus ist Marc Eichenberger als Aussenminister gefragt. Er grüsst hier einen Gast, wünscht da einen schönen Tag und empfiehlt einem Ehepaar, angesichts des wolkenlosen Himmels die Sonnencrème nicht zu vergessen. 

Der Hotelier des Jahres ist in seinem Element. 

Autor und Foto: Reto Stifel


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