An warnenden Stimmen hat es am Mittwochabend anlässlich einer Informationsveranstaltung zur Zukunft der Gesundheitsversorgung im Oberenga­din nicht gemangelt. «Anlässlich der bevorstehenden Abstimmungen geht es um eine grundlegende Frage: Wollen wir im Oberengadin ab dem 1. April weiterhin ein Spital haben – ja oder nein?», sagte Selina Nicolay, Präsi­den­tin der Stiftung Gesundheitsversor­gung Oberengadin (SGO). Die Stiftung befindet sich in Nachlassstundung, Ende März ist sie illiquid und muss aufgelöst werden. An ihre Stelle soll die öffentlich-rechtliche Anstalt «Sanadura» treten. Voraussetzung dafür ist aller­dings ein positives Abstimmungsergeb­nis in den einzelnen Trägergemeinden notwendig.

Mit der Gründung der öffentlich-rechtlichen Anstalt entfällt bei der Abstimmung die Einstimmigkeit unter allen Gemeinden – diese war dafür verantwortlich, dass die Abstimmun­gen zur Integrationsvorlage im vergangenen März und zur Übergangsfinanzierung im November gescheitert sind. Sollte die Gründung der «Sanadura» scheitern, sind die Konsequenzen klar: «Spital, Alterszentren und Spitex müssten geschlossen werden. Für das Spital müsste ein Aufnahmestopp verhängt werden, noch anwesende Patienten würden verlegt», sagte der für die Nachlassstundung vom Regionalgericht eingesetzte Sachwalter Jürg Girschweiler. Das Spital in Samedan würde anschliessend geräumt. «Ich wäre dann einer der Letzten, der rausgeht und abschliesst», sagte Girschweiler. Dieses Worst-Case-Szenario soll unter allen Umständen verhindert werden. In der Ausgabe vom Samstag, 10. Januar wird das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt.

Autor: Reto Stifel
Foto: Michael Steiner/FMR