«Sandy Beach», die kleine einfache Lodge am Lake Kariba, macht ihrem Namen alle Ehre. Die Lodge liegt in einer sandigen Bucht und unzählige Palmen wiegen sich raschelnd im Wind. Das warme Seewasser umkräuselt meine Füsse. Es ist heiss am Sandy Beach jetzt im März, obwohl es ja Herbst ist in Sambia auf dem afrikanischen Konti­nent. Aber hier im Süden des Landes sind die Temperaturen zu dieser Jahreszeit sommerlich. Eine leichte Brise streicht über die dunkelschimmernde Wasseroberfläche und lässt kleine Wellen ans Ufer schwappen. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich trotz der eifrigen Versicherung des Mitarbeiters an der Rezeption: «It’s safe here, no crocs.» 

Wo Hippos sind, gibt es Krokodile
Der Lake Kariba ist ein Süsswassersee und es wimmelt von Flusspferden, «Hippos», wie sie hier genannt werden, und wo sich Hippos tummeln, sind auch die Krokodile nicht weit. Tiere, denen man besser nicht zu nahe kommt. Weil die Bucht aber sandig ist, sollen sich hier keine «crocs» aufhal­ten. Weiter oben am See schon, sagte mir der junge Mann, da gebe es schon ab und zu mal Zwischenfälle. 

Noch sei es nicht lange her, da habe sich ein solcher Vorfall ereignet. Eine Frau habe sich am seichten Ufer gewa­schen, als sie von einem Krokodil angefallen und schwer verletzt wurde. Ob sie es überlebt habe, das wisse er nicht, aber hier, nein, hier gebe es keine Krokodile. Also wage ich mich trotz meiner Bedenken bis zu den Knien hinein, und weil es sich so wunderbar anfühlt, setze ich mich hin und lehne mich an den grossen, vom Wasser abgewetzten Stein. 

Es ist ruhig und die Zeit scheint stehen geblieben zu sein an diesem para­die­sischen Fleckchen Erde. Nach den vergangenen, aufregenden Reisetagen tut es gut, hier zu sitzen und einfach nichts zu tun. 

Der Geheimtipp Sandy Beach
Hinter der Lodge beginnt der Busch, links und rechts der Bucht wächst dem Ufer entlang hohes Gras. Je nachdem wie trocken der Sommer war, ist das Gras grün oder dürr, doch es bietet den Rindern, die ich weiter hinten entdecke, offenbar genügend Nahrung. Immer mal wieder liegt eine Hütte zwischen den Bäumen versteckt. Dort haben Einheimische sich niedergelassen und verdienen als Fischer oder Bauern ihr einfaches Leben. Auf der abenteu­er­lichen Fahrt hierher über einen schmalen, holperigen Sandweg haben wir zwischen den Bäumen verstreut etliche Wohnhütten entdeckt. Wir hätten Glück, hier in der Sandy Beach Safari Lodge noch einen freien Bungalow zu bekommen, sie seien sonst so kurz vor Ostern immer «fully booked», meinte der nette Rezeptionist bei unserer Ankunft. Obwohl es in Sambia keinen Massentourismus gibt, werden die besonders schönen Orte als Geheim­tipp weitergereicht. Die Zimmer sind in einzelnen, verstreuten Bungalows mit Stroh- oder Blechdach untergebracht, unter Palmen direkt am See. Malerischer könnte es nicht sein.

Ein Abschluss mit Folgen
Meine Tochter Stephanie und ich sind zusammen nach Sambia gekommen. 2008 besuchten wir dieses afrikanische Land zum ersten Mal und es hat uns seither nicht mehr losgelassen. Wer hätte gedacht, dass die Bande einmal so stark sein und wir hier Familie finden würden. Damals kamen wir für einen freiwilligen Einsatz nach Sambia, um in einem Missionshospital in Mpanshya, das an der Great East Road von Lusaka Richtung Malawi liegt, die Mitarbeiter im Umgang mit Computer und Inter­net zu unterrichten. Auf den von uns mitgebrachten Laptops konnten sie sich mit Word und Excel vertraut machen und lernen, E-Mails zu schreiben. 

Wir wollten unbedingt wiederkom­men, dieses wunderbare Land mit seinen «National Parks» und den imposanten Victoria Falls in Livingstone weiter erkunden und kennenlernen. Auch hatten wir in Mpanshya Freunde gefunden, die wir wiedersehen wollten. Die Tage hier am Sandy Beach sollten der Abschluss unserer Sambiaferienrei­se sein. Dass sie aber auch unsere Zukunft bestimmen würden, damit hatten wir nicht gerechnet. 

Der junge Mann an der Rezeption, er heisst Dennis, wird mein Schwiegersohn. Etliche Monate und gegenseitige Besuche später heiraten er und Stephanie am Sandy Beach. Und ich lerne seine Familie und seine Kindheitsge­schichte kennen, die mir einen Einblick ermöglicht in eine für mich so völlig fremde Welt.

 Annelise Albertin