Als mein Grossvater väterlicherseits, Wilson Muchemwa, starb, versam­mel­te sich die ganze Familie im Dorf und auch mein Onkel Wickson, der Bruder meines Vaters, besuchte uns. Onkel Wickson wohnte in Golden Valley Chisamba und war mit Rhodah verheiratet. Sie hatten zu der Zeit drei Kinder. Für mich als Farmersohn war er ein reicher Mann, er war Lastwagenfahrer und seine Familie war gut versorgt.

Onkel Wickson war angetan von meinen schulischen Leistungen und meinem Eifer und schlug vor, mich mitzunehmen, um mir eine Schulbil­dung an einer besseren Schule zu ermöglichen. Natürlich war mein Vater strikt dagegen, denn es würde ihm eine Arbeitskraft verloren gehen. Onkel Wickson reiste ohne mich wieder ab und ich war sehr traurig. Aber meine Mutter packte heimlich eine Tasche mit einigen wenigen Habseligkeiten für mich, organisierte einen Transport und so fuhr ich eines frühen Morgens ohne das Wissen meines Vaters von zu Hause fort. 

Neustart in Golden Valley Chisamba
Es war eine lange, mühevolle Reise, die mich «village boy» in die Stadt Kabwe und weiter nach Golden Valley Chisamba in eine ungewisse Zukunft bringen sollte. Ich hatte weder zu trinken noch Zwischenverpflegung bei mir, so dass ich nach dieser Tagesfahrt froh war, endlich am Ziel anzukommen. Zu Hause bei meinem Onkel wusste niemand etwas von meiner Ankunft und alle waren sehr erstaunt, als ich plötzlich vor dem Haus auftauchte. Ich war siebzehn Jahre alt, besass nur die Kleider, die ich anhatte, und keine Schuhe. Meine Füsse waren zerschunden von der Feldarbeit, die ich stets barfuss erledigte. Aber mein Onkel und seine Familien nahmen mich herzlich auf und ich fühlte mich aufgehoben.

Ich konnte die Schule in Golden Valley besuchen und war glücklich in der Familie meines Onkels, bis er seine Arbeit als Lastwagenfahrer verlor. Von einem Tag auf den anderen blieb sein geregeltes Einkommen weg und er musste schauen, wie er seine Familie über die Runden brachte. Eine neue Arbeit zu finden, war schwierig, die Situation für die Familie meines Onkels auch. 

Ein väterlicher Mentor
Der Stiefvater von Tante Rhodha war Lehrer in Lusaka, ging aber gerade zu jener Zeit in den Ruhestand. Ich konnte meine Ferien bei ihm verbringen und ihm in Haus und Garten zur Hand gehen. Wir verstanden uns gut und ich war ihm eine unentbehrliche Hilfe geworden. Er schlug daher meinem Onkel vor, dass ich bei ihm in Lusaka bleiben könne, um dort die Schule zu beenden. Aufgrund seiner Arbeitslosigkeit war Onkel Wickson froh über diese Lösung, und so wohnte ich bei Mister Kafania Mbewe und besuchte die achte Klasse an der Mutambe Basic School.

 Es war eine unbeschwerte Zeit und ich stand kurz vor dem Übertritt in die neunte Klasse. Doch eines Tages kehrte mein Mentor und väterlicher Freund nicht von seinem Ausflug in die Stadt zurück. Es vergingen Tage ohne eine Nachricht von ihm. Ich suchte ihn überall und fragte in der Nachbarschaft nach ihm, niemand wusste etwas über seinen Verbleib. Nach langen, sorgen­vollen zwei Wochen kam endlich die Nachricht, dass er gefunden wurde. Er war bei einem Autounfall tödlich verletzt worden. Da er keine Papiere bei sich hatte, konnten sie ihn so lange nicht identifizieren. Ich war unendlich traurig und stand wieder allein da. 

Rückkehr zu Onkel Wickson
Was blieb mir anderes übrig, als wieder zurück zu Onkel Wickson zu gehen. Zu meiner Mutter zurückzukehren, war keine Option für mich, da ich dort keine Zukunft für mich sah. Ich wollte ja weiterkommen, etwas erreichen im Leben, und das ging nur, wenn ich endlich die Schule beenden konnte. Mein Onkel Wickson befand sich in einer äusserst prekären Lebenssituation und konnte mir und seinen inzwischen fünf Kindern die Schule nicht weiter finan­zieren. Die Familie musste das Haus verlassen, das von der Firma zur Verfügung gestellt worden war, bei welcher er gearbeitet hatte. Er war arbeitslos und musste eine neue Bleibe für die Familie finden.

Twatasha Sana –
Hilfe, die ankommt
Der gemeinnützige Verein Twatasha Sana mit Sitz in Müstair setzt sich für Entwicklungshilfe, Frauenförderung und den Zugang zu sauberem Wasser in Sambia ein. Durch nachhaltige Projekte sollen die Lebensbe­din­gun­gen vor Ort verbessert werden. «Hilfe, die ankommt», lautet das Credo. «Wir unterstützen Menschen in Sambia mit nachhaltigen Projekten», schreibt der Verein, der von Dennis und Stephanie Ulayayi gegründet wurde. Spenden und Sponsoring: 
Kto. CH85 0077 4010 5353 5410 0 

Autorin: Annelise Albertin
Foto: z. Vfg / Dennis Ulayayi