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Jô Osbórnia, Migrant, Dichter und Performer, während seiner Live-Performance «Anti-kolonialer Sündenbock Schweizer Art» in Nairs. Foto: Jon Duschletta

Jô Osbórnia, Migrant, Dichter und Performer, während seiner Live-Performance «Anti-kolonialer Sündenbock Schweizer Art» in Nairs. Foto: Jon Duschletta

Durchzug und offene Ateliers in Nairs

Am Samstagnachmittag nutzten zahlreiche Interessierte die Möglichkeit, Künstlerinnen und Künstlern die aktuell in Nairs leben und arbeiten, über die Schultern zu schauen. Premiere erlebte zudem das audiovisuelle Kunstprogramm «In Resonanz mit den Bergen».

Ende November endet für die zehn Künstlerinnen und Künstler ein viermonatig Kunststipendium in Nairs, der Synthese von Künstlerresidenz, Kunsthalle und Kulturlabor. Vier Monate, in denen in der Region gelebt und in denen ebendiese Region als Inspirationsquelle oder fester Bestandteil interdisziplinärer Kunstarbeiten in die Arbeiten einfliesst.
Beispielsweise bei Katharina Hohmann, die zusammen mit Christiane Hoevel eine 52 Meter lange Stoffbahn geschaffen hat, «welche in ihrer Länge ein-zehntausendstel der Länge des Inns von dessen Quelle bis zur Donaumündung darstellt». Dieses «Engadiner Mass(band)» setzt sich laut Hohmann mit den Koordinaten der Umgebung auseinander, verbindet diese und setzt, als «eine Art der Vermessung», immer wieder unterschiedliche, neue Masse. Aktuell spannt sich die Stoffbahn vom Künstlerhaus Nairs quer über den Inn zum Gebäude der Carola-Mineralwasserquelle. Sie wehte aber auch schon von der Tarasper Brücke oder «vermass» den Wald um Nairs.
Auch die bildende Künstlerin Sophie Innmann arbeitet in einer starken Verbundenheit mit Region und hiesiger Kultur. In Anlehnung an den amerikanischen Künstler Paul Jackson Pollock hat sie «Bewegung und Handlung» vereint und Experimente gewagt mit «Action-Sgraffito» wie sie diese Art Kunst selber nennt. Hat also, mit selbst gewonnenem Kalkputz Holztafeln verputzt und diese, anstatt mit feinem Werkzeug aufzuritzen und freizukratzen, mit Steinen beworfen. «Gerne würde ich dies auch mal in Echt und in Gross ausprobieren», sagte sie beim Besuch in ihrem Atelier augenzwinkernd. Sophie Innmann hat aber auch eine andere, feinere Seite: So hat sie ein Gespräch mit der Engadiner Poetin Leta Semadeni zeichnerisch festgehalten oder in Nairs ihr regionales Projekt «VisitaDaChasa» aufgegleist. Ein Portrait über sie und ihr Projekt künstlerischer Hausbesuche ist in der «Posta Ladina» vom 10. Oktober erschienen.

«Ich arbeite in Nairs mit Schwarz»
Die Bieler Künstlerin und Grafikerin Anna Neurohr kennt die Region von einem längeren Aufenthalt Anfang Jahr in Sent. Sie ist angetan ob der inspirierenden Mischung von «hiesigen Landschaften, der Magie der Gegend und mythologischen Sagengeschichten aus der Region». Berührt davon, hat sie ihre anfänglich gehegte Idee über Bord geworfen und gemerkt, dass sie hier mit Kohle besser zurechtkommt als mit jedwelcher Farbe: «Ich arbeite in Nairs mit Schwarz», sagt sie deshalb vieldeutig.
Nairs wäre nicht Nairs, wenn die Kunstschaffenden hier nicht interdisziplinär aufgestellt wären. Jô Osbórnia beispielsweise, der in einem selbsternannten «Versöhnungsversuch» eine längere, sperrige Performance zum Besten gab zur Begrifflichkeit des «Sündenbocks im Kontext des schweizerischen Kolonialismus anhand regionaler und historischer Symbole ...». Oder die Baslerin Aline Stalder, die sich mit der Symbolik der Jagd, den «unnahbaren» Jägern aber auch mit Heilkräutern auseinandersetzt und so ihre Arbeiten mit der Natur zu verbinden sucht.
Weniger mit Regionalbezug, dafür umso mehr mit Symbolik arbeitet Shabnam Chamani, die in Deutschland aufgewachsen, in Wien studiert «und dort geblieben» ist. Sie arbeitet in Nairs mit der sogenannten Cyanotypie, einem alten fotografischen Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen, welches auch als Eisenblaudruck bekannt ist. «Ich arbeite hier aber auch mit persischen Schriftzeichen und Ornamentik, die man von Teppichen her kennt», sagt Chamani, «eine Ornamentik, die ich zu dekonstruieren und aufzubrechen versuche».

Im Einklang mit den Bergen
Nairs wäre aber auch nicht Nairs, wenn hier nicht Raum entstünde für Experimentelles. Beispielsweise für die audiovisuelle Installation im Dachgeschoss des Künstlerhauses «In resonanza cullas muntognas – in Resonanz mit den Bergen». Auf Initiative von Monika Graf entstand aus der Zusammenarbeit der ehemaligen Nairs-Stipendiantin Monika Drach und der einheimischen Sängerin und Chorleiterin Gianna Vital-Janett über mehrere Monate hinweg ein partizipatives Kunstobjekt, eine «bebilderte Soundinstallation» wie Christof Rösch es bezeichnete (siehe dazu den Beitrag in der «Posta Ladina» vom 22. Oktober).

www.nairs.ch

Autor und Foto: Jon Duschletta


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