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Neuland für die Pfarrer und Pfarrerinnen im Oberengadin: Sie gestalten Fernsehgottesdienste in den Dorfkirchen (im Bild Pfarrer Michael Landwehr am zweiten TV-Gottesdienst aus Samedan).

Neuland für die Pfarrer und Pfarrerinnen im Oberengadin: Sie gestalten Fernsehgottesdienste in den Dorfkirchen (im Bild Pfarrer Michael Landwehr am zweiten TV-Gottesdienst aus Samedan).

Gemeinschaft schaffen trotz Abschottung

Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so passt sich auch die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberengadin an Covid-19-Zeiten an und sendet Livestream-Gottesdienste.

Wie kann in der aktuellen Corona-Krise eine Gemeinschaft weiterleben? Diese Frage ist von zentraler Bedeutung für die Kirchen. Wie reagieren sie auf das Versammlungsverbot, das ihnen faktisch den Gottesdienst wie er traditionell gefeiert wird, verunmöglicht?
Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberengadin refurmo hat nicht lange gezögert und innert zweier Tage eine Serie von sonntäglichen TV-Gottesdiensten beschlossen und organisiert. Mit Pfarrern und Pfarrerinnen aus dem Engadin. Die Gläubigen können zwar nicht wie jeden Sonntag in ihrer Dorfkirche zusammenkommen, aber den Gottesdienst mitverfolgen, der in ihrer vertrauten kirchlichen Umgebung stattfindet. Mitsamt der sonntäglichen Predigt, dem Orgelspiel und weiteren gestalterischen Elementen. Von zu Hause aus können sie mit dem Pfarrer singen und beten und wissen, dass gleichzeitig andere Kirchgänger genau das Gleiche tun.

Ein neuer Weg, der Anklang findet
Der St. Moritzer Pfarrer Andreas Wassmer hat den ersten TV-Gottesdienst dieser Serie am 22. März geleitet. Auch für ihn, der keine Filmerfahrung hat, war dieser Gottesdienst vor laufenden Videokameras und mit Teleprompter ein Novum. Noch dazu in einer praktisch menschenleeren Kirche ... «Für mich war es eine interessante und aufregende Erfahrung, refurmo steckt diesbezüglich mitten in einem Experiment.» Das Experiment ist bisher gut angekommen. Damit spricht Wassmer nicht in erster Linie die vielen Clicks an, die bereits der erste TV-Gottesdienst generiert hat: «Ich hatte viele gute, oft warmherzige Feedbacks.» Per Mail, per Telefon, per Briefpost. «Auch von Personen, die sonst nicht zur Kirche gehen.» Auch wenn keine direkte Interaktion möglich ist und alle Gläubigen von zu Hause aus teilnehmen, schaffe diese Art Gottesdienst ein Gefühl der Gemeinschaft. «Das habe ich selbst gespürt. Und von einer solchen Erfah-rung haben mir etliche Gläubige berichtet», sagt Wassmer.
Auch wenn der Gottesdienst ein zentrales Element im gelebten christlichen Glauben ist, hat ein Pfarrer noch andere Aufgaben innerhalb seiner Kirchgemeinde zu erledigen. Allen voran die Seelsorge. Auch diese funktioniert derzeit ein bisschen anders als sonst. «Ich mache keine Besuche mehr, dafür nehme ich Kontakt per Telefon mit den Pfarreimitgliedern auf, um zu wissen, wie es ihnen geht.» Wort und Stimme seien zwar kein Realersatz für eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht, aber besser als nichts. Es gelte für ihn ja, die Beziehung zwischen ihm und den Gläubigen und unter den Gläubigen aufrechtzu-erhalten. «Ich merke, dass die Bereitschaft und die Offenheit der Leute, über existenzielle Themen des Lebens zu sprechen, derzeit grösser ist als sonst». Umstellen musste refurmo auch in Bezug auf den Religionsunterricht. Da es bei diesem nicht um Wissensvermittlung geht, sondern um Kontaktnahme, stand Fernunterricht nicht zur Diskussion. Aufgeschoben wurde auch die anstehende Konfirmation. «Die Konfirmanden und Konfirmandinnen sind daran, ihren Gottesdienst zu planen und zu gestalten.» Aktuell eben vor allem über Chats in den sozialen Medien oder Skype-Telefonrunden.

Würdig Abschied nehmen
Hochzeiten und Taufen stehen derzeit keine an, aber Bestattungen. Auch hier muss sich Wassmer derzeit nach den behördlichen Corona-Vorgaben ausrichten. Nur die engsten Angehörigen dürfen jeweils an einer Abdankung teilnehmen. «Es geht mir darum, trotz dem Einhalten einer Minimaldistanz den Trauernden eine würdige Abschiednahme zu ermöglichen.» Ein Verbindung könne beispielsweise über das Singen eines Lieds oder das Lesen eines Textes, welche den Verstorbenen lieb waren, hergestellt werden. Wie lange dieser Ausnahmemodus bei refurmo anhalten wird, weiss niemand, auch Pfarrer Andreas Wassmer nicht. Wichtig ist für ihn aber in diesen Krisenzeiten das Miteinander. Dieses Miteinander hat er auch unter seinen Oberengadiner Pfarrkollegen gespürt. Dankbar ist Wassmer zudem für die spontane Unterstützung des refurmo-Vorstandes, gerade auch in Bezug auf die Einführung der Fernsehgottesdienste. Die TV-Gottesdienste wurden in Zusammenarbeit mit www.stmoritz-tv.com realisiert. Ihr Chef Filippo Giani hat beim ersten Gottesdienst mit Andreas Wassmer 6544 Views registriert, für den zweiten Gottesdienst mit Pfarrer Michael Landwehr gar 7901 Views (Stand gestern Freitagmorgen). Die Livestream-Gottesdienste werden vorerst bis und mit 26. April jeweils am Sonntag um 10.00 Uhr aus verschiedenen Pfarrgemeinden ausgestrahlt, ein zusätzlicher TV-Gottesdienst findet am Karfreitag um 10.00 Uhr statt (siehe auch Text nebenan).
www.refurmo.ch/media/livestream
www.enjy.ch / Ausstrahlung auch über die HD Swisscom TV Box
 Text: Marie-Claire Jur/ Foto: stmoritz-tv


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