Karin Metzger Biffi (Mitte) präsidierte den St. Moritzer Gemeinderat letztes Jahr, Claudia Aerni (links) ist aktuelle Präsidentin und Prisca Anand wird zu ihrer Nachfolgerin. 	Solche Bilder sind eher die Ausnahme. Foto: Daniel Zaugg

Karin Metzger Biffi (Mitte) präsidierte den St. Moritzer Gemeinderat letztes Jahr, Claudia Aerni (links) ist aktuelle Präsidentin und Prisca Anand wird zu ihrer Nachfolgerin. Solche Bilder sind eher die Ausnahme. Foto: Daniel Zaugg

Mehr Frauen in der Bündner Politik erwünscht

Nach wie vor sind Frauen in Graubünden in der Politik stark untervertreten. Das zeigt eine Erhebung, die erstmals gemacht worden ist. Mit dem Projekt «Promo Femina» soll sich das ändern. 

Überraschend ist die Erkenntnis nicht, aber erstmals belegen konkrete Zahlen den Fakt: Frauen sind in den kommunalen Behörden in Graubünden untervertreten. So sind von 101 Gemeindepräsidien gerade einmal 14 von Frauen besetzt, in den Gemeindevorständen beträgt der Frauenanteil 21 Prozent, in den Geschäftsprüfungskommissionen 31 Prozent. 

Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Erhebung des Amtes für Gemeinden. Diese war letztes Jahr anlässlich des 50. Geburtstags des eidgenössichen Frauenstimmrechts von Regierungsrat Christian Rathgeb in Auftrag gegeben worden. Der Bündner Regierungsrat empfing damals die Gemeindepräsidentinnen zu einem Austausch. 

Die erste Erhebung in Bezug auf die Besetzung von Frauen in den wichtigsten kommunalen Behörden beruht auf dem Stichtag 1. Januar 2022. Sie berücksichtigt die Gemeindevorstände, die kommunalen Parlamente und die Geschäftsprüfungskommissionen. Die Erhebung soll jährlich durchgeführt werden mit dem Ziel, die Entwicklung über einen längeren Zeitraum aufzeigen zu können.

 

Drei Gemeindepräsidentinnen in Südbünden

Wie aber sehen die Zahlen in der Region Südbünden aus? Von den 14 Bündner Gemeindepräsidentinnen stammen drei aus der Region. Gabriella Binkert Becchetti präsidiert die Gemeinde Val Müstair, Nora Saratz Cazin steht der Gemeinde Pontresina vor, und Barbara Aeschbacher ist Gemeindepräsidentin von Sils. Insgesamt gibt es im Kanton 533 Sitze in den Gemeindevorständen. Nur jeder fünfte wird von einer Frau belegt. In Südbünden ist der Frauenanteil in der Region Engiadina Bassa/Val Müstair mit 24 Prozent am höchsten. In der Region Maloja sind von den 74 Vorstandssitzen gerade einmal deren 13 von Frauen besetzt (17,6 Prozent), in der Region Bernina hat einen von 14 Vorstandssitzen eine Frau inne. 

Aktuell kennen 17 Gemeinden ein Parlament als Ergänzung oder als Ersatz der Gemeindeversammlung. Insgesamt liegt der Frauenanteil in den 17 Parlamenten bei 22 Prozent. Das Parlament der Gemeinde Samnaun besteht ausschliesslich aus Männern. In St. Moritz sind von den 17 Parlamentariern fünf Frauen, in Poschiavo von 16 ebenfalls deren fünf. 

Insgesamt höher liegt der Anteil der Frauen kantonsweit betrachtet in den Geschäftsprüfungskom‧missionen, und zwar bei 31 Prozent. In den Region Bernina ist eines von acht GPK-Mitgliedern eine Frau, in der Region Engiadina Bassa/Val Müstair sind von 20 Mitgliedern sechs Frauen, und in der Region Maloja sind insgesamt 40 Personen in der GPK tätig, elf davon Frauen. 

 

Promo Femina soll Schub geben

Gemäss einer Medienmitteilung der Standeskanzlei Graubünden ist Regie‧rungsrat Christian Rathgeb überzeugt, dass die Grossratswahlen vom 15. Mai eine frauenfördernde Wirkung haben werden. «Das politische Engagement der Parteien, möglichst viele Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl in das kantonale Parlament präsentieren zu können, dürfte generell die Lust auf ein politisches Amt steigern», wird er in der Mitteilung zitiert. Diesbezüglichen Nachholbedarf gibt es im Grossen Rat, wo Frauen deutlich untervertreten sind oder in der Regierung, die zurzeit ein reines Männergremium ist. 

Mit dem Projekt «Promo Femina» will die Fachhochschule Graubünden und fünf kantonale Gleichstellungsbüros das politische Engagement von Frauen auf Gemeindeebene steigern. Das Projekt wird auch vom Kanton unterstützt. 

Autor: Reto Stifel

Foto: Daniel Zaugg


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