Irina Schumacher sitzt im «Kunst-Café» im Herzen von Samedan und trinkt einen Chai. «Das ist mein Stammlokal, hierhin komme ich auch, um zu arbeiten», sagt die junge Frau. Irina Schumacher ist selbstständige Yoga-Lehrerin, Coach, Hypnosetherapeutin, Mutter eines dreieinhalbjährigen Jungen, Partnerin, und seit einem Jahr auch Gründerin von Mamaroots. Sie weiss aus Erfahrung, wie viel Organisation, Stärke und Liebe es braucht,um Familie und Alltag unter einen Hut zu bringen. Und vor allem weiss sie, wie wichtig es ist, einen Raum für die Frau hinter dem Mamasein zu haben.
«Als mein Partner vor zwei Jahren zwei Monate geschäftlich weg war, kam ich an meine Grenzen», erzählt sie. Zwei Wochen nach der Abreise ihres Partners habe sie bei ihren Eltern auf der Matte gestanden. «Mein Sohn war zu dieser Zeit ständig krank, ich war froh, dass ich von ihnen Unterstützung bekam», erinnert sie sich.
Frauen unterstützen Frauen
Ein afrikanisches Sprichwort besagt: «Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen». In unserer Gesellschaft fehlt dieses Dorf. Das wurde Irina Schumacher bewusst, und sie beschloss, ein Netzwerk aufzubauen, dass über die Familie hinausgeht. «Ich glaube fest daran, dass wir Frauen und insbesondere Mamas uns gegenseitig viel mehr unterstützen sollten. Dass wir Räume brauchen, in denen wir uns austauschen, verstanden fühlen und neue Kraft schöpfen können», sagt sie.
Bei Mamaroots geht es also nicht um die Kinder, sondern für einmal um die Mütter. Frauennetzwerke gibt es bereits in der Schweiz, aber Mama Circles, welche explizit Mütter stärkt, erst wenige. Irina Schumacher will das Angebot von Mamaroots schweizweit aufbauen - und sie stösst damit auf grosses Interesse. In St. Gallen möchten zwei Frauen Mamaroots aufbauen, in Zürich gibt es ebenfalls bereits Interessentinnen. In Chur und im Oberengadin bietet Irina Schumacher selber Mama Circles an.
Physische und Online-Treffen
Roots ist die englische Bezeichnung für Wurzeln. Mamaroots möchte ermöglichen, dass bei den Frauen Wurzeln wachsen können, dass diese wieder bei sich sein können. Aber Wurzeln sollen sich auch schweizweit ausbreiten, damit daraus ein weit verästeltes Netzwerk von Müttern entstehen kann. Um das Angebot bekannt zu machen, setzt Irina Schumacher vor allem auf die Mund-zu-Mund-Propaganda. Frauen, die bereits an Programmpunkten von Mamaroots teilgenommen haben, seien die besten Botschafterinnen.
Doch was bietet Mamaroots konkret an? Auf der Internetseite stehen Mama Circles, Online-Treffen, Mama-Wochenenden oder Yoga Retreats. «Der Mama Circle ist ein Raum für Mütter, um zur Ruhe zu kommen, sich inspirieren zu lassen und ihre persönliche Stärke zu entfalten», erklärt die Gründerin. Hier werde ein Moment des Durchatmens geschaffen, zum Beispiel mit Meditation. Danach gebe es Impulsreferate, zum Teil auch mit externen Fachpersonen. Auf dem aktuellen Programm stehen unter anderem die Themen Zykluspower oder bindungsorientierte Erziehung.
Mütter sollen sich vernetzen
Im Zentrum steht aber der offene Austausch zu Bedürfnissen und Anliegen der Mütter. «Mütter sollen sich vernetzen und verbinden», so Irina Schumacher. Willkommen seien Mütter von Kindern aller Altersstufen, den so können die Frauen auch von den unterschiedlichen Erfahrungen gegenseitig profitieren. Nebst den physischen Treffen sind auch Online-Treffen ein- bis zweimal im Monat für einen Austausch vorgesehen. Alle vier Monate soll es einen Spezialabend mit einer Fachperson zu einem Thema geben. «Das Ziel ist ein ganzheitlicher Ansatz: Herz, Körper, Geist», betont die Gründerin.
Mamaroots soll ein Begriff werden
Ein Hauptproblem von vielen Müttern ist der Zeitmangel. Hinzu kommt die Kinderbetreuung, wenn Mama sich eine Auszeit gönnen möchte. Ein Mamaroot-Wochenende von zwei Tagen ist zum Beispiel für eine Alleinerziehende ohne Unterstützung ein Ding der Unmöglichkeit. Aus diesem Grund möchte Irina Schumacher künftig auch Retreats mit Kinderbetreuung anbieten. Aber dafür braucht das Projekt zuerst eine stabile finanzielle Basis, damit die Ausweitung des Angebots realisiert werden kann. In einem nächsten Schritt ist deshalb ein Crowdfunding geplant.
Wissen und Ressourcen seien vorhanden, nun gehe es darum, diese zu teilen und das Mütter-Netzwerk zu stärken. «Je mehr Frauen mitmachen, desto schneller wird Mamaroots ein Begriff werden», so Irina Schumacher. Der nächste Mama Circle findet am 1. Februar in Samedan statt.
Weitere Informationen:www.mamaroots.jimdosite.com




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