«Trauer bewegt das Schweizervolk. Wir möchten uns kaum erinnern, dass Lawinen so viel Leid und Kummer in so manche Familie und Ortschaft hineingetragen haben». Mit diesen Worten begann die Ansprache von Bundesrat Eduard von Steiger, die am 24. Januar 1951 in der «Neuen Bündner Zeitung» abgedruckt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Todesopfer noch nicht bekannt und das Ausmass des Schadens nicht ermittelt, doch laut dem Bundesrat nahm «das ganze Schweizervolk an diesem Schicksalsschlag Anteil». Der Bundesrat appellierte an die Bevölkerung, sich an der Sammlung des Roten Kreuzes für die betroffenen Orte in Graubünden, Wallis, Uri und Tessin zu beteiligen.

Im Engadin begannen die schicksalhaften Tage am 19. Januar 1951. Schon zu Beginn der Woche setzte in den Höhen Schneefall ein, und die Schneemassen nahmen rasch bedroh­lich zu. «Es war ein leichter, trockener Schnee ohne jeden inneren Zusam­menhang», beschrieb der damalige Kantonsforstinspektor Hans Jenny in seinem Bericht zum Lawinenwinter. Die erste Hiobsbotschaft traf aus Zernez ein. Der Wegmacher auf der Ofenbergstrasse kehrte am Mittag nicht heim. Er wurde von einer Lawine verschüttet. Von der Rettungsmannschaft wurden weitere sechs Männer unter den Schneemassen begraben. Am 20. Januar löste sich in Zuoz hoch oberhalb des Dorfes eine Lawine und donnerte den Albanas-Hang runter ins Dorf. Fünf Menschen fielen dem weissen Tod zum Opfer. Dazu entstand grosser Sachschaden an den Gebäuden. Auch in Samedan wurde ein Wohnhaus komplett zerstört und in Susauna und Vnà Gebäude, allerdings gab es keine Todesopfer. In Lü hingegen starben drei Menschen.