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Die aktuellen Maturanden werden sich so sehr in ihre Abschlussprüfungen vertiefen wie die Gymnasiastinnen auf diesem Bild. Bestimmt werden sie aber einen Minimalabstand von zwei Metern wahren. Foto: Fabian Gattlen

Die aktuellen Maturanden werden sich so sehr in ihre Abschlussprüfungen vertiefen wie die Gymnasiastinnen auf diesem Bild. Bestimmt werden sie aber einen Minimalabstand von zwei Metern wahren. Foto: Fabian Gattlen

Maturaprüfungen in Corona-Zeiten

Lange herrschte völlige Unklarheit bezüglich der Maturaprüfungen in der Schweiz. Seit vorgestern wissen die Graubündener Gymnasiasten, dass sie schriftliche Abschlussprüfungen schreiben werden. Die Engadiner Rektoren begrüssen dies.

Umfrage beendet: Ergebnis

Was halten Sie von den Bündner Maturaprüfungen 2020?


Ich finde gut, dass nur die schriftlichen Prüfungen stattfinden.
11 Stimmen

Ich hätte bevorzugt, dass sowohl schriftliche wie mündliche Prüfungen stattfinden.
28 Stimmen

Es wäre besser gewesen, gar keine Prüfungen durchzuführen.
21 Stimmen

Seit Donnerstag wissen die Bündner Gymnasien, woran sie sind: Die angehenden Maturandinnen und Maturanden werden zum Erhalt der Hochschulreife eine Matura-Prüfung ablegen, allerdings nur eine schriftliche. Auf die Durchführung mündlicher Abschlussprüfungen hat die Regierung Graubündens verzichtet – kraft der Kompetenz, welche ihr der Bundesrat in dieser Angelegenheit zugesprochen hat.

Entscheid kommt etwas spät
Die Rektoren der drei Engadiner Mittelschulen sind froh, dass jetzt Klarheit herrscht, hegen aber auch Kritik: «Ich finde es grundsätzlich inakzeptabel, dass die Erziehungsdirektorenkonferenz keine gesamtschweizerische Lösung hinbekommen hat. Das EDK hätte in dieser coronabedingten ausserordentlichen Situation ein Machtwort sprechen sollen», befindet Ueli Hartwig, Mittelschulrektor der Academia Engiadina in Samedan. «Schade, dass es so lange gegangen ist, bis der Entscheid gefällt wurde.
Die Befragung der Mittelschulen in dieser Sache hätte früher stattfinden sollen», fügt Christoph Wittmer, Rektor des Lyceums Alpinum Zuoz an. Auch Beat Sommer, Rektor des Hochalpinen Instituts hätte «grundsätzlich eine frühzeitige gesamtschweizerische Lösung bevorzugt».
Doch abgesehen von diesen Unzulänglichkeiten sind die drei Rektoren erleichtert darüber, dass sie zusammen mit den Schülern und Schülerinnen, den Eltern und der Lehrerschaft endlich wissen, was die Bündner Regierung entschieden hat. Zudem zeigen sie Verständnis dafür, dass in der aktuellen Situation auf mündliche Prüfungen verzichtet wird. «Mündliche Prüfungen sind aufwendiger, sind mit Dislozierungen verbunden, und die Experten müssen anreisen. Das alles führt zu einem erhöhten Ansteckungsrisiko, das vermieden werden soll», urteilt Hartwig.
Unglücklich ist in seinen Augen der Umstand, dass bei den Fachmittelschulen weiterhin Unklarheit bezüglich der Durchführung von mündlichen Abschlussprüfungen herrscht.

Vorgeschmack aufs Studium
Ab dem 25. Mai werden im Engadin also schriftliche Maturaprüfungen stattfinden. «Dies ermöglicht den Maturandinnen und Maturanden einen würdigen Abschluss ihrer Mittelschulzeit und vermittelt ihnen gleichzeitig einen Vorgeschmack darauf, was sie danach im Studium am Ende eines jeden Semesters erwartet», befindet Beat Sommer.
Christoph Wittmer sagt kraft seiner langjährigen Erfahrung als Rektor an Zürcher Gymnasien, dass die Schülerinnen und Schüler bei dieser Gelegenheit auch «zeigen wollen, was sie können». Das Wichtigste an der sogenannten Hochschulreife sei ja, dass diese aufzeige, dass die künftigen Studentinnen und Studenten «zum Selbstmanagement fähig» seien, eine unabdingbare Voraussetzung für ein erfolgreiches Hochschulstudium.

Details werden noch kommuniziert
Auch wenn der genaue Ablauf der Bündner Maturaprüfungen noch nicht klar ist, weil die vom Kanton erlassenen detaillierten Direktiven erst am Freitagnachmittag bekannt gegeben wurden und übers Wochenende analysiert werden müssen, sind die Engadiner Rektoren zuversichtlich, dass die schriftlichen Prüfungen ordnungsgemäss durchgeführt werden können. «Unsere Prüfungspläne sind gemacht, und wir haben genügend Räumlichkeiten zur Verfügung. Je nach Vorgabe des Kantons können wir auch auf unsere Turnhallen ausweichen», sagt der Mittelschulrektor der Academia Engiadina. Auch das Lyceum Alpinum verfügt über genügend Räume und eine grosse Aula. «Wir werden auch schauen, dass nicht alle Prüflinge im gleichen Zug anreisen», so Wittmer. Und am HIF wird dafür gesorgt, dass das Social Distan-cing sowohl vor wie nach den schriftlichen Prüfungen sowie während der Mittagszeit im Speisesaal und in der Mediothek gewährleistet wird. Den Engadiner Mittelschulen kommt bei der Organisation der Prüfungen der Umstand entgegen, dass der Präsenzunterricht für die übrige Schülerschaft erst nach den Maiferien stattfindet respektive gestaffelt eingeführt wird. Bis spätestens Anfang kommender Woche sollen allen Involvierten auch weitere Details klar sein, beispielsweise wie stark die Prüfungsnote im Vergleich zu den Erfahrungsnoten bei der Endnote ins Gewicht fällt oder ob der ab dem 16. März getätigte Fernunterricht im Matura-Zeugnis vermerkt wird.

Text: Marie-Claire Jur / Foto: Academia Engiadina; Fabian Gattlen


2 Kommentare

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Silvia Nicol am 04.05.2020, 14:51
Dass die EDK sich nicht auf eine gesamtschweizerische Verordnung festlegen konnte, ist schwierig nachvollziehbar . Für einmal in einer Krisenzeit dem behüteten Föderalismus die Flügel zu stutzen, hätte ihn nicht umgebracht.
Ruedi Huber am 04.05.2020, 16:43
Als früherer Lehrer am Lyceum Alpinum Zuoz freut mich die Stellungnahme der 3 Engadiner Gymi-Rektoren in der Engadiner Post zur Matura und zur Durchführung schriftlicher Prüfungen. Als Zürcher bedaure ich, dass im Kanton Zürich nur eine "kastrierte Matur" stattfindet.
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